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001_2022. Du Opfer

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 1. Feb. 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Juli 2022

01.02.2022 Du Opfer

Es sind die kleinen Momente, ... in denen das Leben seine Kinoleinwand ausrollt, dich in den abgenutzten roten Sessel schubst, dir eine riesen Tüte Popcorn, drei Kugeln Schokoeis und eine Cola XXL auf die Brust drückt. Es dunkel wird. Du lehnst ich zurück. Und dann? Film ab. Er legt sich auf die Behandlungsliege. Der Mann mit der schwarzen Maske. Richtet mit seiner starken, nachdrücklichen Stimme, mit seinen nachdrücklichen Augen, seinen ausdrücklichen Händen Botschaften an mein Hirn. Erklärt, nimmt die Arme über den Kopf. Sein Rippenbogen tritt hervor. *...Rutsch, ich mach gleich mit*, denk ich, dann hat er mein Hirn wieder. Seine Hand legt sich auf seinen Brustkorb. Der hebt ... Nein, der hebt sich nicht. Er unterbricht seine Ausführung und greift zur Maske. "Ich zieh das Ding jetzt mal aus, sonst kann ich's dir nicht richtig zeigen." *Bitte, was?!* Kann mich grad noch zurück halten. Sprache, wirklich wahr. Dann ist die Maske auch schon unten. Halloooou Herr SchrägstrichCoach. Schön, dich mal kennen zu lernen. Für ein paar Sekunden bin ich dann - zugegeben - doch abgelenkt. Macht nichts. Atmen. Bin wieder dabei. "….Zwerchfell….", er. Ich habe wirklich viele verlorene Fäden um mich gewickelt, aber diesen finde ich wieder. Vermeintlich. Die Maske bleibt unten, die Ablenkung vergleichsweise oben. Worte eindringlich. Augen, Hände, Stimme. Alte Bekannte an denen ich meinen Fokus zurück ins Hier und Jetzt ziehe.


... Die Zeit ist um. ...


Jetzt nur nicht bewusst konzentrieren, sonst fallen die Gedanken wieder ins Nichts. Weiter spüren, die Infos, die er in der Stunde angepflanzt hat. Das ist wie Hypnose. Einfach deinen Kopf machen lassen. Und das Atmen dabei nicht vergessen. Und dann? Dann kommt er… Der Spruch, der meinen Widerstand auffahren lässt. In dem Moment, da ich an ihm vorbei durch die Türe gehe. In dem er mit seiner Präsenz, seiner Größe, seiner Ausstrahlung eh schon zu nah dran ist an mir. Zu dicht, um so einen Batzen zu platzieren. "Und du bist doch kein Opfer! Oder?!" *Was?!? Bitte?! Jetzt nicht dein Ernst!!! Der Film denkst du reitet mich?*

Abwehr. Volle Kanne. *Kenn ich, den Ticker?!!! Weiß, was du bezweckst?!!! Gelesen das Buch. Du hast es mir selbst empfohlen. Du erinnerst dich? ... Hey, nicht den Standard bitte!!*

Bodentruppen sind aufgefahren.

….

Atmen!!! Diese Reaktion is echt blöde, Mädl. So halb zu ihm, halb in Richtung Fluchtweg frozl ich zurück: "Höchstens meiner eigenen Blödheit."

Ich bin mir sicher, die Adresse hat gestimmt. Das ist angekommen. Gefühlt. Vielleicht auch nicht. Achselzuck. Und raus bin ich.




Kilometer später sperre ich meine Haustür auf, schmeiße den Schlüssel auf das Schuhregal und treffe den mintgrünen, sinnfreien Kasten, den mir eine Kundin für meinen 'Hat was mit dir zu tun Adventskalender' geschenkt hat. Ich hatte die geniale Idee, mir meinen Kalender aus Kindheitstagen mit Dingen füllen zu lassen, die mich zum Schmunzeln bringen. Seither meandert dieses Teil auf dem Grad zwischen 'was mach ich damit', 'weg damit' und 'was bitte hat so ein blöder Fluchomat mit mir zu tun' auf dem Flurregal hin und her.

Er hat überlebt. Bis heute. Gewartet auf seine Chance, sich zu beweisen. Mein Schlüssel trifft. Schießt ihn vom Regal. Er knallt auf den Boden und brüllt mich, klein, hilflos, mintfarben mit blecherner Männerstimme an: "DU OPFER!!!!!!!"

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