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002_2022.Verkehrter Tag

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 5. Feb. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Juli 2022

05.02.2022, Rund um zuhause Verkehrter Tag Es gibt Zeiten, da geht man einfach weniger ins Kino und dann wieder läuft ein guter Film nach dem anderen. Eh man sich’s versieht, findet man sich zwischen plattgetretenem Popcorn, Bergen leerer XL Cola Becher und klebrigen Schokoeisflecken wieder. Wird man geweckt von der netten Dame, die einem sanft die Schulter rüttelt. Einen höflich hinweist, der nächste Film ginge gleich los. Dann hängt sie einem mit einem gelernten Lächeln säuselnd den Bauchladen hin: «Noch ein Eiskonfekt, die Dame? Cola?» Schwups hast du das frisch duftende Popcorn unter der Nase: «Popcorn?» Es wird wieder dunkel. Du rutscht tiefer in den Sessel.

Szene 1 Ich habe gerade ausgiebige Dialoge mit meinem kleinen 'Besorgdirwasdasvibriert' geführt. Gut, dass uns keiner gehört, geschweige denn gesehen hat. Der kleine, samtschwarze Daumenlang für die Frauenhandtasche ist heute schwer ins Stottern gekommen. Seine Aufgabe war, an meinem unteren Rücken tiefer vorzudringen. Dabei blieb ihm ein wenig die Luft weg. Hm?!

Da lag er jetzt in meiner Hand und mühte sich redlich. "Oje Kleiner, geht dir der Saft aus?!" Ich ließ ihn vor mir auf den Trainingsboden fallen. Er kämpfte weiter um seinen Ruf. Hüpfte unkontrolliert von Köpfchen zu Wurzel und versuchte, sich von seiner bestmöglichen Seite zu zeigen.

Was soll ich sagen?! Es war ein trauriges Schauspiel. "Ach Verreckerle, müh dich nicht!" Ich griff den zappelnden Wurm und drehte ihm den Saft ab. Der Kleine hatte meine volle Sympathie. Und mein Mitgefühl. Nicht, dass der Eindruck entsteht ich wäre eine herrische Matrone.

"Du brauchst deine Steckdose, ich weiß. Bekommst du." Und während meine Sprache noch auf der Brüstung bemüht war die Balance zu halten, waren meine Gedanken bereits im freien Fall. Mein ehemaliger Straßenköter wäre zufrieden gewesen mit mir. Ich hatte offensichtlich nichts verlernt.


Ja, wer einmal tief gefallen ist, kann seine Vergangenheit wohl nie mehr ganz leugnen.


Szene 2 Vorboten des Frühlings. Oder auch: Wenn die Schneeräumer rückwärtsfahren. Das Knie gequarkt und gewickelt schnell in die Pluderhose geschlüpft. So kalt wird es nicht sein, wenn um 5:00 Uhr früh schon die Vögel zwitschern. Die Sonne so strahlt da draußen. Sam muss raus. Er ist ungefähr so motiviert wie ich und lässt sich – wieder einmal - jeden Schritt hinterherziehen. Den Karton samt Papiermüll unter den Arm geklemmt schlurfen wir - ungepflegt und ungewaschen – zu den Mülltonnen an der Straße. Während ich den Karton zerlege, geht Sam auf Wanderschaft. Habe wohl versehentlich die Leine fallen lassen.

Fix hinterher!

Bücke mich, hebe die Leine auf.

Als mein Kopf wieder zwischen den parkenden Autos auftaucht blinkt eine orangene Armada vor meinen Augen. Kommt in Zeitlupe auf mich zu. Was? Hähhh??? Haben die sich verirrt? Ein Schwertransport? Hier in den Seitenstraßen? *Na dann viel Erfolg Jungs. Nicht, dass ihr stecken bleibt*, denk ich und bleibe paralysiert stehen. Beobachte. Vorneweg ein rotes Gemeindefahrzeug mit Baustellenblitzer obendrauf. Hinten dran ein wirklich gigantisch langer, riesiger Mercedes Transporter. Orange-Orange-Orange auch er. Aber wo bitte ist die Schwerlast…..?!?! Meine Augen suchen. Finden nichts. Ha! Doch! Da! Ein kleines, gemeindeorangenes, eigenartiges Räum-Etwas. Eindeutig den Hintern voraus kriecht es zwischen dem Geleitschutz über den 30ger Buckel. HoooooooooooooochhhhhGeeeerraaaaaaaaaaaaaaaaadeeeruuuuuuuuuuuuuuuuunnnttteeeeer

Euer Ernst? Zwick mich einer! Was geht denn hier ab??

Stehe.

Staune. Die blinkende Schneckenparade nähert sich. Schleicht an mir vorbei. Geil! Sehr, sehr geil!!!!

Ein unverschämt breites Grinsen schleicht über meine Mundwinkel, meine Wangen, hinein bis in meine Augenwinkel. Breitet sich aus über mein Gesicht. Ich muss einfach einmal herzhaft laut lachen.

Hänge fest. Ja, denk ich, wenn in Gauting die Schneeräumer rückwärtsfahren, dann kündigt sich definitiv der Frühling an.

Köstlich. Bleibe noch ein paar Minuten stehen. Verfolge den verkehrten Tross und lasse das Leben vor meinen Augen - einfach mal - rückwärtslaufen.

Fühle, wie der Winter sich zurückzieht. Aus der Luft.

Aus dem Boden.

Aus meinem Herzen.

Die Sonne strahlt auf mein Gesicht. Ich atme durch.

Getankt. Kostenlos. Sprit kann so billig sein.

Seit der Schrägstrichcoach mir die Lenden entwirbelt hat, hat mein Leben einen Clown gefressen.

Schön. So darf es weiter gehen.






Wird es nur nicht. Aber schön, wenn man das nicht immer weiß.

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