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005_2022. Momente des Glücks.

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 6. März 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. März 2022

Irgendwo im Land des Vergessens, 06.03.2022 Wenn du ...

Wenn du morgens in deinen Transporter steigst. Der Weg dich mitnimmt. Den Bergen entgegen. Gestochen scharf. Blau. Tief blau.

Auffahrt Richtung Garmisch.


80, 100, 120 km/h.

Dein Blick sich irgendwo zwischen den immer enger werdenden, weißen Linien verliert. Autos an dir, unter dir vorbeifließen.


Deine Zeit – um dich – sich verliert.


130 km/h.

Fast dreieinhalb Tonnen nicht isolierter Resonanzkörper den Abrieb der Reifen, das tiefe Brummen des Motors vervielfachen. Der immer gleiche Lärm jede Anspannung in deinen Ohren zerreibt.


Wenn die Monotonie deine Gedanken ergreift.

Dann atmest du ein.

Spürst den Panzer deiner Muskeln wieder und lässt los.


Wenn dir schwindelt für einen Moment. Dein Kopf noch hängt im Trott. Sich einkrallt. Starr auf die nächste Biegung des Lebens, auf die nächste Kapriole deiner Nerven, auf den nächsten Schmerzmoment ausgerichtet.


Wenn dein Blick sich öffnet. Du lächelst, dich zur Seite lehnst, deinem Kopf die Beifahrertüre öffnest. Du ihm höflich bedeutest, doch bitteschön bei Kilometer 784 abzuspringen. Volle Fahrt.


Wenn Zeit und Raum sich verlieren.

Tempo keine deiner Dimensionen mehr ist.


Dann lehnst du dich zurück.


Beginnst du, mit der Musik zu fließen. Der Bass übernimmt deinen Herzschlag. Die sanfte Melodie der synthetischen Geigen streicht über deine Brust, gibt deine Rippen frei. Dann atmest du ein.


Tief.


Wenn dein 'Dicker', dein alter Kasten nicht auf deine Zweifel *Zu viele Menschen. Umdrehen!* reagiert. Wenn er dieselstur die Spur hält. Ausfahrt um Ausfahrt rechts liegen lässt. Blechkolonnen noch immer an dir vorbeiziehen. Du nichts mehr wahrnimmst als das Heben und Senken deines Atems. Dich treiben lässt. Im Fluss.


Wenn deine Gedanken, einer nach dem anderen, auf die Überholspur wechseln.

Surfend auf den Dächern zügig vorbeiziehender SUVs, Skikoffer bepackter Sportkombis, bodenküssender Sportcoupes dir noch einmal fröhlich zuwinken. Kleiner werden. Kleiner. Verschwinden.

In dem tiefen Blau der Berge.


Wenn du ihnen hinterherlächelst.

Gedanken – verloren.




Wenn du dich Stunden später wieder von der Schwerkraft durch die Kurven tragen findest. Der Bass die angenehme Leere in dir ausfüllt. Der Druck seiner Wellen dein Inneres weich hämmert. Du das sanfte Vibrieren im ganzen Körper spürst.

Wenn Sehnsucht weckende, Weite versprechende Klavierklänge einsetzen.

Wenn dann ...

das Drehbuch deines Lebens beginnt, eine unvergessliche Szene zu zeichnen.


Dann wird ein Bussard – in voller Fahrt – über das Wagendach vor die Kante deiner Windschutzscheibe gleiten. Sich zwei, drei Kurven auf der Bugwelle deines Transporters vor dir her durch den Buchenwald tragen lassen. Seine Flügelspitzen werden blitzen im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne.


Die nächste Lichtung, die nächste Gerade.


Mit dem Hauch einer Bewegung wird er sich aus deiner Welle fallen lassen. Hinein in die sich öffnende Weite. Hangabwärts dem See entgegengleiten.


Sekunden darauf wird ein Motorrad in deinem linken Seitenspiegel auftauchen. Den Hahn aufreißen, an dir vorbeiziehen.

Sich vor dich setzen.

Sich weich, rund und klebrig vor deinen Augen durch die Kurven wiegen.


Wenn du umsteigst.

Mitfliegst.


Dann steht dein Kopf,

dann steht dein Körper still.

Bist du hier.

Bist du jetzt.



Bist du.


Wenn das so sein wird, dann ist das einer der scheinbar winzigen #Glücksmomente, die du nie vergessen wirst.


Weil du alles warst.

Und nichts.


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