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013_2022. Leitstab löst Lawine. Kopf auf Kurs halten

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 11. Apr. 2022
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Juni 2022

Dienstag, 12.04.2022, früh

...


Gleich.


...

Lassen wir es noch ein wenig dunkel. Heute werden ohnehin noch viele Wolken über meinen Kopf hinweg ziehen.

Die Gedanken. Fließen wie Wolken. Nicht zu halten.





Der Satz hängt nach: "Hab in deinen Blog geschaut. Genaugenommen ist das ja nichts als seichtes Geplauder, was du da schreibst." Gemeint war er juristisch. Angekommen ist er bei meiner Befindlichkeit. Bei dem schlechten Gewissen, wie ich zu solcher Zeit so seichtes Zeug denken kann.

Jeder muss eben seine Ressourcen selbst aufladen. Dies ist meine Ladestation: Leben im Augen-Blick. Mich an den kleinen, den kleinsten Dingen erfreuen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, seiner - Unwort der letzten zwei Jahre und vermutlich sehr wichtiges Wort der kommenden - seiner ganz persönlichen, geistigen Resilienz die berühmte Stange zu halten.



Die Stange zu halten.


Atmen, phffuuu.... Diese Stange. Diese orange-schwarze Stange.

Dienstag, 12.04.2022, um 16:xx Uhr wird diese Stange, eine Lawinenstange mehr berühren als meinen Bauch. Um 16:xx Uhr werde ich also eine Stange auf meinem Bauch gehabt haben. Mit der 'spitzen' Seite. Lang wird sie hoch gestanden sein von meinem Bauch. In der Hand eines Menschen, dessen Ausstrahlung mich für einen Moment beklemmen wird. Die Stimmung wird befremdlich gewesen sein.


16:xx Uhr. Es war ein sanft gesetzter Stab, der die Spannung meiner Muskeln prüfte. Vermutlich ohne einen weiteren Gedanken. Aber die tiefsten, vielleicht in diesem Moment sogar vor ihm selbst vergrabenen Bilder des Menschen, der diesen Stab führte, flossen in einer derartigen Wucht in meinen Körper, dass ich für einen Moment eine Mischung aus Panik und Ohnmacht aufkommen spürte. Um ein Haar hätte ich den Stab gepackt, wäre aufgesprungen und hätte ihm mit der Wucht, der Aggression einer in die Enge getriebenen Seele das Ding unter die Nase gehalten. Meine Augen hätten die seinen verbrannt, meine Worte alleine ihn über die Brüstung nach unten gestoßen. Eine solche Wut kam in mir hoch.

Für einen Moment.

Werde ich mich selbst nicht erkannt haben.

Weil mich ein Stab berührte.

Gehalten von eins neunzig plus. Von dem seit Ende Februar neben all seiner warmen Energie aus dem scheinbaren Nichts so dumpfe, dunkle Momente feuern, dass ich sprachlos, hilflos die Luft anhalte. Diese dunkle, dumpfe Kraft befremdet mich. Lässt mich gefrieren. Lässt mich sorgen. Für einen Moment. Um und vor den Kräften, die bei mir aufprallen.



Atmen. Raum schaffen. Freiraum.


Die Stange wird meinen Bauch berührt haben. Zweimal, dreimal. Eigentlich sanft. Gezielt. Ich werde dagelegen sein. Hilflos. Vom Moment überrascht.

Es wird gewesen sein, als würde nur ein Wimpernschlag fehlen und er würde jeden Moment zustechen. Mit aller Wucht.

Es wird gewesen sein, als hielte er eine Waffe in seinen Händen. Als würde er sich selbst einen Moment entgleiten.

Gelähmt werde ich gewesen sein. Vom Augen-Blick, von dem, was durch die Stange geflossen sein wird, wissend, es könnten auch nur meine Bilder im Kopf, meine Gefühle gewesen sein, die, einer Lawine gleich,

um die Stange durch meinen Bauch wühlten haben werden.


Möglicherweise hätte es geholfen haben können, hätte ich in diesem Moment in seine Augen geblickt. Es wird mir nicht möglich gewesen sein. Weil ich starr gewesen sein werde vor stillem Entsetzen. Überfahren von der ohnmächtigen Wut, die solch eine banale Berührung in mir auslösen haben wird können.


Was ich glaube gespürt zu haben am anderen Ende der Stange? Kopf auf Kurs halten.


Need a hug.

Finde nicht die Grenze zwischen meinem Ende und dem Anfang gegenüber.

Eine Lawinenstange Distanz bitte.


Die Maske bleibt!




Lösen wir uns auf und kehren wir zurück zu 12.04.2022, abends zu jetzt.

Trotz allem .... hehe ... die F5 Taste steht wieder einmal so präsent vor meinem Stinkefinger... vielleicht sollte ich für ein wenig Leichtigkeit in diesem schweren Text sorgen und sie - einen Moment ganz Kind - drücken. Schauen, was passiert.


Drück.




...





Sorry. Website wurde neu geladen. Zum Glück nicht alles verloren. Ja, warum schreibe ich eigentlich nicht von den grausamen Dingen, die passieren? Weil sie schon immer passieren in der Welt? Weil sie jetzt 'nur' nah bei uns passieren? Weil ich es anmaßend finde, jetzt alles ganz furchtbar zu finden, wo doch furchtbar schon unser Leben lang auf dieser Welt passiert? Weil ich versuche, die Augen zu schließen, solange es mir möglich ist? Weil ich vielleicht einfach versuche, mir die Insel zu wahren, die meinen Kopf auf Kurs hält?

Ich merke doch auch, wie mir die so häufig nachgesagte Resilienz flöten geht. Ich muss doch auch genauer hinhören, wenn mein Kopf mir Geschichten erzählt, damit er mir nicht ins Darknet abrutscht.


Im Moment bleiben. Jetzt leben. Nicht den Humor, den Blick für feines verlieren. Dafür Raum schaffen.


Schreiben, damit die Luft nicht ausgeht.


Ich schreibe bewusst nicht von meinen Gedanken zu all den schlimmen Dingen, die unsere Welt für immer verändern. Ich führe auch den Gedanken nicht weiter, welches Gefühl dahinter steht.

Schreibe ich?


Schon vor Jahren, Jahrzehnten immer wieder dachte ich: Es geht uns zu gut. Das wird nicht, das wird niemals dein Leben lang so bleiben. Liegt dieser düstere Gedanke an meiner späten Geburt? Als Kind der letzten Kriegsgeneration? Daran, dass diese Geschichte unterschwellig in meiner Familie mitschwang? Bin ich deshalb ein depressiv veranlagter Mensch? Bin ich schlicht und ergreifend nüchtern? Es ist doch eigentlich ein zwingender Schluss, zu dem man kommen muss. Die Menschen, die über Jahrtausende schon an die Grenzen ihres Kopfes stoßen ändern nicht über die Kürze ein Menschenlebens lang die Richtung ihres Denkens.


Ich will auch gar nicht weiter davon schreiben.

In mir windet es sich.

Es ist wie ein Omen.

Ein negatives Abrakadabra.

Mein negatives Abrakadabra.

Mein HexHex. Mein

Ich weiß, dass das, was ich jetzt nüchtern schwarz auf weiß skizzieren werde ein riesengroßer Quatsch ist. Aber trotzdem schnürt es mir die Kehle zu. Trotzdem bleiben mir die Finger stehen. Trotzdem ziehe ich Mauern hoch um diese Gedanken.

Warum also schreibe ich nicht über meine Gedanken zu all dem Horror unserer Zeit? Warum denke ich so selten, wie es mir möglich ist diesen Horror in realen Bildern?

Weil ich für mich sorgen muss. Weil keiner erkennen wird, wenn mein Kopf springt. Weil ich merke, dass auch mein Kopf nicht so weit vom Abgrund entfernt steht, wie ich das für mich wahrhaben will. Manchmal ist es eben nur ein Schritt. Ein Schritt, von dem ich - da bin ich mir sicher - Meilen entfernt bin.

Aber, wie viele Menschen haben das vor mir gedacht.

Außer mir gibt es keinen Menschen, der auch nur annähernd so nah an mir dran ist, dass er mich wahrnehmen könnte.


Folglich

sorge ich für mich. So,

wie ich es kann.

Und wenn ich es damit tue, mir mein Geplänkel zu erhalten, wo immer ich kann.


Auch

wenn

der Gedanke

immer mitschwingt.


Es ist ein Schlag ins Gesicht aller, die um dich herum gerade unfassbares Leid ertragen müssen.


Ich bin noch hier. Und mir geht es noch gut.

Falsch.


Mir geht es gut.


Es gibt noch einen Auslöser für mein nicht. Einen Auslöser, der meiner Nüchternheit völlig widerspricht. Den ich nicht wirklich greifen kann. Dennoch hat es Einzug gehalten in meiner Seele.


Wenn ihr so wollt, war das heute das erste Mal in meinem Leben, da meine schlechtesten Gedanken keine Gedanken bleiben sollten. Es sollte ein zweites Mal, ein drittes Mal dem voraus eilen.

Das Schicksal.

Unbedacht ausgesprochen, von mir.

Grausam zur Wahrheit geworden für Menschen,

bei denen ich meine Worte lies. Und wenn auch nur im Geiste.


Nie werde ich vergessen, wie ich bei der neunköpfigen Patchworkfamilie stand, in ihrem selbstgebauten Holzhaus und fragte: "Und das hast du alles selbst gemacht? Auch die ganze Elektrik hier?" "Ja", war die Antwort.

"Hast du das gelernt oder woher kannst du das alles?" "Nein, aber das ist ja nicht so schwer."

Ich habe sie nicht stehen lassen. Die Antwort. Ich habe, und ich weiß, es ist Blödsinn so zu denken, aber ich habe - gefühlt - damals das zweite Mal in meinem Leben erschaffen, während ich weiter sprach: "Und du hast keine Angst, dass dir da irgendwo ein Kabel anbrennt, weil was nicht passt? Bei dem Holzhaus?"

Ein Jahr später schlug das Schicksal so grausam zu.


Dies war das zweite Mal in meinem Leben, da meine falschen Gedanken nicht falsch waren.

Es sollte ein drittes Mal kommen, nur von mir gedacht. Das Schicksal. Wieder grausam. Wieder zu dem Menschen, bei dem ich Worte lies. Und wenn diesmal auch nur im Geiste.

Ein Teil dieses Schicksals belgeitet mich. Seit bald zwei Jahren. Auf vier Beinen.


Immer Brände. Immer verheerend. Immer meine Worte. Immer meine Gedanken.


Ich bin nicht spirituell, gar nicht. Aber ich merke, dass ich meinen Gedanken nicht mehr traue. Ich denke sie - wann immer ich es schaffe - nicht zu Ende.

Rational? Nein. Sicher nicht. Blödsinn? Vermutlich.


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