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014_2022. Koffeinstream gezogen. Bewusstseinserweiterung erfahren.

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 14. Apr. 2022
  • 4 Min. Lesezeit

15.04.2022, Samstag, der ordinäre Tag zwischen Kar und Eiern.

Es gibt so Tage, die warten eigentlich nur darauf, vergangen zu sein. So ein Tag ist heute. Der Himmel bleibt meisenstahlblaugrau, die Stimmung schläfrig.

Sitze auf der Couch, drei Kissen im Rücken. Seit Dienstag kann ich wieder im Schneidersitz sitzen. Er ist einfach echt saumäßig gut der Schrägstrich. Strich mit Schokoschicht. Hehe. Würd ich gern mal eine Handvoll nehmen. Aber, diese Bahnung im Hirn muss zuwachsen. Das Gras wird gebeten über die Sache zu wachsen. Das Gras bitte!!!!


Bin gerade frisch der Wanne entstiegen. Ich wollte in knalloranger, guter Laune baden. War mir heute dann doch zu heiß diese Stimmung. Hab mich nicht ganz einlassen können.

Nun hänge ich - wie gesagt - an einem meisenstahlblaugrauen Tag auf der stahlgrauen Couch, stahlgraue Kissen im Rücken, stahlgraues Laptop auf dem Schoß. Links von mir, über mir, im Eck pfeift ein explodierter Federbalg leise zu Angel, Rolling Stones. Ja, was soll ich sagen?! Wen ich groß ziehe, der hat eben Geschmack mit den Muttermaden in den Kropf gepackt.

Rechts von mir geht der Jungspund steil. Freeclimbed an der Kante der knallblauen Trainingsbodenmatte, die an der Wand lehnt kopfüber hoch und runter. Spielt Chamäleon mit dem stahlgrauen, leuchtenden Balkonstillleben vor meinem Terassenfenster.

Fffffffffft, der Hubschraub hebt ab, steigt, verschwindet im eigenartig stillen, stahlblaugrau leuchtenden Himmel. Vor den fettergegerbten, ockergrauen Volierenbalken dreht er sich schwebend auf der Stelle. Sucht scheint, welche seiner Seiten farblich am besten chamäleonisiert mit den Holzfarben. *Vorderseite, verrücktes Huhn, Vorderseite! Schmauchzitrone passt am besten zu den dicken, ausgebleichten Vierkantbalken.* Einmal noch gönnt mir der Jungspund den schönen Anblick, dann sinkt er senkrecht - ffffrrrrrrrt - und landet auf dem Kissenzipfel neben meiner rechten Schulter. Ich halte ganz still. Unterhalte mich vorsichtig mit meinem durchgeknallten Freigängeranteil.

Ja, ich unterhalte mich mit meinem Vogel. Meines Erachtens sollten das viel mehr Menschen mindesten einmal täglich tun auf dieser Welt. Man muss seinen Vogel schon regelmäßig integrieren, sonst scheißt er einem irgendwann ohne Vorwarnung aber sowas von auf den Kopf.


Pieps sitzt über mir auf der Balustrade und schmettert mit den Sängern die Melodie von Dust in the wind. So gut sie kann. Ist ja kein Papagei. Dezibel kommen aus diesen Miniatürlungen, da wirst echt blass. Ich fipse zurück. Oh, das ist nicht gewünscht. Pieps verstummt auf der Stelle und braucht zwei Strophen, um wieder in die Melodie einzusteigen. Grrrrr.... kleine Soalsängerin! Was für ein verrotzter Rauch in jedem Ton.


Die Sonne gleißt durch die Wolken. Leuchtet grell, hell und unterkühlt in die stahlgraue Stille dieses Tages. Ich liebe ja dieses Licht, diese Stimmung. Nur nicht meinen Zustand. Wieder mal so ein saftloser, kraftloser Tag. Schieben wir es mal auf 'Heuschnupfen' und auf 'nur fünf Stunden geschlafen'. Es ist nicht immer pures Glück wenn unerreichbare Menschen leibhaftig aufblitzen und sich neben dich legen, während du gerade dir selbst im Schlaf entgleitest. Fluch und Segen, meine Phantasie. Vielleicht habe ich auch nur schlecht geschlafen, weil das Fenster offen war. Den Moment der realen, spürbaren Begegnung mit ... möchte ich jedenfalls nicht missen. Wie? Ihr versteht nicht? Macht nichts. Das sind die Momente, in denen die Protagonistin schweigt und genießt. Noch einmal. Die letzten Krumen der Erinnerung zusammensammelt und genießt. Wie sagte Rilke schon so schön? 'Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort, sie nehmen mir all die Dinge fort.' Ja, manches aus der Welt des Fühlens bleibt dort drüben. Flüchtige Momente. Und wenn die Wolken doch den Weg frei geben, dass mich ein Strahl von dort drüben noch einmal berühren kann:


Augen zu.

Loslassen.


Erwarte nichts, vielleicht bekomme ich mehr.

Mehr ungelebte Träume. Mit diesem ihm. Dem Unerreichbaren. Dem immer zu nah. Dem immer nachwirkend.


*Gell, du Vogel, wenn uns einer berührt, dann berührt er. Da hilft kein Wegducken und keine Logik.* Jungspund bohrt übrigens gerade seine Krallen in meine rechte Schulter.

Ich hab nasse Haare. Da muss nochmal Schnabel angelegt werden. Vermutlich war er Friseur im letzten Leben.

Vorsichtig beginne ich, mit ihm zu reden, drehe ganz langsam den Kopf so weit, dass ich ihn aus dem rechten Augenwinkel beobachten kann.

Sie (er ist eine sie, sorry) macht sich lang, kurz, rechts, links lang, kurz hoch.... und beäugt die Lage einer jeden Locke.

Gewissenhaft gewissenhaft, denke ich.

Dann nimmt sie wieder einzelne Lockensträhnen und legt sie, wie sich das gehört.

"Warst in deinem früheren Leben Friseuse, sag?" frage ich schmunzelnd in das konzentrierte Meisenhirnchen. "Fääät", knatscht sie wie immer etwas übertrieben laut und frrrrrtet davon.


Haben wir das auch geklärt. Nicht das schlechteste Karma, wenn man als Friseuse stirbt und als hyperaktive Blaumeisenfrau zurückkehrt.

Jetzt ist übrigens links dran. Grins.





Boa bin ich sackmüde heute.

Erst 15:13 Uhr.

Ich glaub, ich hau mir nochmal 'ne Hypno auf's Ohr und vergammel den Tag.

Die Wirkung von dem Koffein stream, den ich mir über der Badewanne durch die Nebenhöhlen gezogen hab verliert an Wirkung.

Biodrogen. Hält einfach nicht so lang wie Schnee. Macht nur schneller Aua auf der Nasenschleimhaut. Probiert es nicht.

So jetzt fallen mir gleich die Augen zu.


... bis später vielleicht.


Auf der Balustrade links von meinem Sitzplatz lümmeln meine Meisen wie zwei Hühner auf der Stange und verdösen den drögen Tag.

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