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018_2022. Abendgebet. Morgenmantra. Highspeed Verkabelung habe ich aktuell jedenfalls keine.

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 7. Mai 2022
  • 8 Min. Lesezeit

Sonntag, 08.05.2022, 19:37 Uhr

Liege im Bett und brate.

Seit drei Tagen jetzt. Brate und brüte. Über der Sprachnachricht, die ich eigentlich gar nicht erwartet habe.


Mein Hirn versucht gerade auf der Slagline zum Baum der Erkenntnis zu gelangen. Gleichgewicht ist und war noch nie meine beste Disziplin.

Jaja, stimmt schon. Wie so oft ist auch dabei ganz viel Kopfsache.

Solange die Augen, der Fokus auf dem Seil, dem einen nach dem anderen Schritt sind, solange ich atme, bin ich im Gleichgewicht. Solange komme ich dem Ziel näher. Wenn nur nicht immer der eine Moment wäre. Der eine, winzige Moment sich öffnen. Öffnen für die Erfahrung, für das rund um mich, für das, was wäre, wenn. Straucheln. Fallen.

Wirklich fallen? Ist es nicht viel mehr immer wieder ein bewusstes 'sich fallen lassen'? Die Angst vor dem drüben? Dem näher an sich? Dem noch nicht gefühlten Ziel? Vielleicht ist es auch einfach nur Feigheit?

Es sickert jedenfalls. Es sickert seit ein paar Stunden.

Definitiv.

Definitiv hat es etwas mit Selbstliebe zu tun.

Selbstliebe. Das ach so große Wort.

Selbstliebe. Eine freundliche, barfüßig durch die Schluchten La Palmas dahinschwebende Hippibraut sehe ich da. Hängen geblieben in den Siebzigern. Haust in den tropischen Schluchten. In einer Höhle.

Ego und ich, wir beobachten sie. Für mich ist das Feldforschung. Ego ist immer leicht verärgert, wenn er sie auf Zehenspitzen, ein Liedchen pfeifend, in Batik gewickelt zur Quelle tänzeln sieht. Wisst ihr, Ego ist mehr so der klassische Schlipsträger, der im Restaurant den Kellner anbrüllt, er möge sofort den Geschäftsführer holen, weil ihm schon wieder einer in die Hose scheißt.

Auch bei dieser Nachricht hat Ego die Krawatte um seinen Kehlkopf wieder ordentlich zugezogen, wenn ich's mir so recht überlege. Kein Wunder, dass er völlig aus der Großhirnrinde kippt. Sauerstoffmangel. Wo er hin ist? Er ist schon wieder auf dem Weg nach unten. In die Schlucht. Stellt sich vor die arme, vergeistigte Seele. Hochroten Kopfes. Schnaubend. Stellt sich vor sie und schüttelt verständnislos den Kopf. Selbstliebe ist für ihn kein Wesen auf Augenhöhe, wisst ihr. Selbstliebe und auch ihr sprachphilosophierender Seelenpartner sind für ihn hängengebliebene Versager. Weicheier. Lebensunfähig in der Welt da draußen. In der Zi-vil-isolation. Die Menschheit tickt nicht 'Ohhhhm', eines seiner liebsten Zitate. Drum scheißt ihm 'Ohmmmm' ja auch so in die Hose. Auuuudazwick...!!!! Jetzt kommt auch noch der säuselnde Hering mit dem ungepflegten Urwald im Gesicht vom Fischen zurück. Herr Seelenpartner schwebt heran. Seines Zeichens Sprachfetischist, sagt Ego immer. Ego will nix wissen von dem Schmarrn. Er solle bei der Wahl seiner Worte auf bla bla bla achten, säuselt ihm der Versager ins Ohr.

Will diese Flachpfeife - oh Pardon - der Sprachanalytik*er*in*pausedazwischen*jetztalle-genergereechterfasst IIHHMM, Ego, wirklich erzählen, dass sein Denken seinen Worten folgt?!!

Na dann!

Fetischieren wir doch eine Runde! Ego ist lateinisch. Ego heißt ich. Ergo bin Ich ich. Ergo wurde ich angesprochen. Folglich ist es mein Hirn, das die Krawatte gerade abschnürt.

"Verabschiede dich von der Vorstellung, dass...." Ich höre diese Nachricht jetzt zum dritten Mal. Und pack in meine - natürlich ganz andere Worte umfassende Antwort - im Subtext folgende Botschaft: *Weißt was, Lulatsch! Ich hab die Schnauze sowas von voll von 'verabschiede dich'! Wie wär's mal mit 'begrüße in deinem Leben'?!? Und - abgesehen davon - Ob und wann ich mich von was verabschiede, dass entscheide immer noch ich! Ego Klappe! Äh. Ergo: Klappe, wollte ich sagen. So! Punkt!*


Nix Punkt. Lulatsch hört nicht auf. Lulatsch sagt, "... bei dir ist nichts schief... ". Betonung liegt selbstverständlich auf "bei diiiiiirrrr". *Ach, echt jetzt!?!?!!*. Augenbrauen hoch zieh. *Vorsicht, Knabe! Aus dem Weg ..... ich spucke gleich .... Feuer!* Ich fürchte, der Untertitel unter meiner Antwort kocht doch auffallend hoch: Geeeeenauuuuu, is eh klar! Und parallel dazu erzählt mir das Umfeld gern vom Gegenteil: Ich wäre schräg, ich hätte eine strange Denke,

würde zu viel Gewicht legen auf, statt zu ... und,

und,

und. Wenn's dann aber in den Kram passt, daaaaaaaann ist bei mir plötzlich alles totaaaaal richtig und grad. Nur halt meine Wortwahl und somit meine Denke nicht, die wiederum ist zu schräg.

Wisst ihr was?!?! Ihr Höhlenbrüter, Hippis und und Energieverdenker?!?!?!?! Ihr könnt mich alle mal!

Irgendwie sieht ein jeder in mir das Projekt, das in den Rahmen seine persönliche Lesebrille passt. Was dem einen schräg, ist des andern 'wurscht'.


Vermutlich kann er die Zeichensprachendolmetscherin auch noch lesen, die fuchtelt: Und des meinen Alarmbereitschaft! Auf die Barrikaden, Ego!

Ach...


Und eins noch! Was ich mit meiner Wortwahl mache, dass müsst's scho mir überlassen, ge?!! Ihr Alleszerdenker, Panzerknacker und Wortgewaltbereiten Michbesseralsichmichselbsterkenner

... iiiiiiiiiihr!!!! Luuuujjjjjaaaa! Ehrli wahr!!!


I woas seiba, dass bei mia nix vaschobn is! Des hoast ma hoid a so. I ko vielleicht guad schreibn. I ko a guad Sätz vabuxln. Owa etz a no neiche Buider findn, dass ma seit boid sechs Monat s' Kreiz weh duad und ois zamzwickt??!?! Sei ma ned bäs, ... zipf mi ned o, Neurofreak. I woas scho, was d moanst. Owa i red, wia mia s' Mei gwachsen is. Ho'ma uns?!?!??!


Ehrlich gesagt hoffe und bete ich, dass seine Empathie dann doch da ein Loch hat, wo ich feste meinen Panzer draufdrück e. Naggisch machen is nicht so meins. Und das mit dem ruinierten Ruf, das hat so seine Grenzen.


21:03 Uhr

Sorry. Hat geklingelt. Hund wurde geliefert für morgen. ... Wo waren wir?


Ach, beim stänkern. Stimmt.

Gewaltig. Stänkern, mein ich. Mal wieder. So mit ein paar Minuten Abstand betrachtet würde ich folgendes selbst-reflektieren: Da hat das Angstäschen mal wieder Duracell Hase gespielt. Naaaaaaja! Dann ist ja ganz gut, dass jetzt a bissl Luft raus is. Schmunzle.


Bleiben wir mal im berühmten Erwachsenen- Ich. Die Nachrichten von diesem wirklich hilfsbereiten, menschenfreundlichen Wesen haben schon einen verdammt langen Weg durch meine Distanzen, ... äh ... Instanzen mein ich. Gefolgt von langen Produktionswegen. Meine Infrastruktur ist - so gesehen - definitiv noch entwicklungsfähig. Aber, wie war das noch das Thema? Nicht immer drauf hauen. Versöhnlich sein. Wir probieren das nochmal: Die ein oder andere Autobahn ist doch schon ganz gut fortgeschritten. Paar Kilometer Landstraße noch, ok. Wenn die Nachrichten nicht zu Stoßzeiten losfahren wollen um rechtzeitig zur Verstoffwechslung zuhause zu sein, dann kommen sie meist doch ganz gut durch.


Nochmal gehört. Diesmal meine Reaktion. Eieieiei... Wenn ich so die ersten Reaktionen rekapituliere ... und die zweiten, dritten ..... Da tut er mir fast schon leid. Die Stimme mit der gepflegten Wortwahl. Was für ein geduldiges Wesen muss man haben, um bei der Arbeit nicht auszubrennen. Vorausgesetzt, man möchte wirklich helfen. Mir ist das ja nicht so gut gelungen über die Jahre. Ich werde zunehmend intolerant dagegen, mauernde oder für ihren Anteil blinde Kunden zu betreuen. Ich weiß, wie es ist, dem Kunden Termin für Termin die selben Mantras vorzubeten. Ein "Mh Hm, nick, nick, nick" zu ernten und dabei auf eine - in diesem Moment zumindest - ziemlich hohle Birne zu blicken. Das Spiel der manchmal geheuchelten Einsicht geduldig mitzuspielen. Wissend, dass da hinter dem Hohlraum alles ist, nur noch gar kein Funken "Mh Hm".


Das ist mir jetzt unangenehm. Glaub, ich muss ihm heute mal Feedback geben.



22:10 Uhr.

Eingenickt.

Was will ich ihm denn rückmelden? Ich werd mal schön nichts rückmelden. Das ufert nur aus.

Was soll ich denn melden?

Hey Coach,

ich muss dir mal rückmelden. Vermutlich geht's dir da wenig anders als mir. Ma red und red an die Leut hin, wie an an kranken Gaul. Bis dass der Mund in Fransen hängt. Wieder und wieder hallt das "Aber". Gesagt, geschaut. Gedacht. Egal. A B E R es kommt. Und wenn's dann mal läuft oder sogar was durchsickert, dann verstoffwechseln sie's einfach und melden nicht rück. Manchmal bekommt man ja wenigstens den veränderten Stoffwechsel wieder in die Finger. Nur halt nicht immer. Manchmal gibt's ja auch 'n Rückfall, bevor man seine Schäfchen wieder sieht. Vermutlich wird's dir nicht anders gehen. Drum, muss ich mal rückmelden, wie hier die Lage ist.

Aktuell sitz ich vor der kleinen G. auf dem Teppich und versuche, irgendwie im Guten mit ihr in Kontakt zu kommen. Hat die doch ... (Augenroll) .... nach deiner Nachricht ... (Achselzuck) ... gleich mal ihr Plastikschild und das Darth Vader Schwert geholt aus dem Kinderzimmer. Sich hingestellt, mit dem Fuß gestampft und lautstark angefangen zu protestieren: Sie hat nicht, sie war's nicht und überhaupt, wie du sowas sagen kannst.

Ich hab den Mund noch nicht aufbekommen, ist sie schon schreiend in ihr Zimmer gerannt, hat sich in die Ecke gehockt und angefangen wieder Mauern zu bauen.

Sie mauert noch immer. Sitzt da, zieht Klötzchen für Klötzchen die Wand zwischen ihr und mir hoch. Wenn ich die Steine wieder herunter nehme, einen nach dem anderen, dann verkriecht sie sich noch ein wenig tiefer in sich. Das Kinn auf der Brust. die letzten Steinchen fest in der Hand. Schaut starr vor sich auf den Boden.

Den letzten Stein, der uns die freie Sicht aufeinander versperrt, den wenn ich nehme, wenn ich sie gar noch freundlich anlächle: Schau mich doch mal an, ich will dir doch nichts böses, dann reeeeeiiiiiißt sie mir aber den Stein aus der Hand!!! Haalllllozack!!! Ich sag dir, wenn Blicke töten könnten! Und mauert wieder auf. Seufz!

... Jaja. Ich bleibe geduldig. Die krieg ich schon wieder raus aus der Ecke. Keine Sorge.


Später dann: Wenn ich ehrlich bin, ich weiß genau, ich blockier. Viel werde ich dazu nicht sagen. Nur, dass meine Reaktion nichts mit dem zu tun haben, was du aussendest. Meine Baustelle. Meine Hose sozusagen. Verzeih.

Ich mag es nicht, ich ertrage es ganz schlecht, ich halt es einfach nicht aus, wenn ich davon überrascht werde, dass ein Menschen mich sieht. Ungefragt. Ohne, dass ich ihm die Türe geöffnet habe, mich kennen zu lernen.


Die Finger ruhen auf den Tasten. Ich bin raus aus dem Film. Ich hänge noch in der Frage warum das so ist. Ja, ich kann es ganz schlecht aushalten, wenn man mehr von mir sieht, als ich freigebe. Warum? Das ist einfach: Dann bin ich verletzlich. Ja und? Das ist vermutlich die gesündeste Reaktion. Leider sitzt der Dorn bei mir so tief, dass ich ihn noch nicht herausoperieren konnte. In meiner Seele gibt nur zwei logische Konsequenzen auf Schwachstellen: Werden sie für andere sichtbar,

so werden sie zum eigenen Vorteil genutzt oder sie werden genutzt. Aber sie werden genutzt. Und das nicht von mir. Und ganz selten zu meinem Besten.

Wer meinen Bauplan kennt hat die Chance, irgendwann, und wenn in ferner Zukunft, in meinen Schutzraum eindringen. Früher oder später wirst auch du dieses Wissen um meine Schwachstelle nutzen, dich selbst höher zu stellen als mich. Mich klein zu halten. Du wirst es nicht verhindern können, denn all das kann auch nur in meinem Kopf geschehen. Weil ich es zulasse. Weil es sich in mir bestätigt wie ein Echo.

'Es' wird wieder leiden. Wieder ein Spielball der Befindlichkeiten und Launen derer sein, von deren Zuwendung 'Es' abhängig ist. Aus Zu- wird Abwendung werden. Das war schon immer so. Wer an mich ran kommen will, der muss eine dicke Haut haben und feine Sensoren, den Hall hinter der Mauer zu spüren. Mal um mal, wenn du 'Es' berühren willst mit deinen Worten, wird 'Es' zurückschlagen. Die Schläge werden schwächer werden. Das kann ich dir versprechen.


Fazit ist, ich habe einmal wieder den Weg von einer Felswand zur anderen gewählt. Und schlussendlich hat er mich doch erreicht.


Ja, ich habe die falschen Bilder im Kopf. Ja, ich habe immer noch ganz viel Gewalt gegen mich selbst in mir. Nur die Harten kommen in den Garten. Nur die Harten ernten Achtung. Nur die Stumpfen kann man nicht treffen. Die werden in Ruhe gelassen.

Ich soll auf meine Wortwahl achten? Geh mir weg mit dem Gesäusel! Schmunzle.

Ich weiß ja, du hast Recht.



Sprache ist nicht immer Ausdruck meiner Seele. Manchmal ist sie auch die Mauer. Vor dem Ausdruck hinter der Seele.



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