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019_2022. Artenvielfalt im Stäbli oder auch Presswurst de Luxe

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 13. Mai 2022
  • 6 Min. Lesezeit

Samstag, 14.05.2022, 8:00 Uhr

Artenvielfalt im Stäbli oder auch Presswurst De Luxe


Samstag, 14.05.2022, 9:07 Uhr Nachricht an meine Stampelbegleitung: Hey du. Samstags 8.00 Uhr is 'ne geniale Zeit. Nur Sportschwimmer und zwei drei andere. Hast echt was verpasst. Diesmal kein alberner Sonnenbankweißhaubengoldkettchenschwan der den einzigen Sonnenstrahl am Beckenrand mit dem Spot seiner Lebensbühne verwechselt, sondern ein wiiiiiiiiirklich schön athletischer Kerl, der sich Minuten lang in seinen Neopren geaalt hat. Kann wirklich sehr grazil vonstatten gehen so ein Ankleidevorgang. Scheiß auf Chippendales. Das sag ich dir. Und ist die Pelle erst oben, hmmmmmmm. Der darf sich gern jeden Samstag anziehen. Kann wirklich sehr attraktiv aussehen so ein Kerl in Presswurst. Da fängt man glatt an zu zweifeln ob das Dasein als Nonne wirklich das wahre ist."


Aber, gehen wir zusammen ins Stäbli, Sonntag früh, 08:10 Uhr

Irgendwie geben meine Füße heute Gas, der Sonne entgegen. Rück zu's ist dann Regeneration time. Bahn eins, zwei, drei, vier, fünf.... "Hust schluck strampel hust!" Peinlich. Das halbe Bad schaut mich vorwurfsvoll an und schwimmt mir fürder an aus dem Weg. Dabei habe ich doch nur vergessen, mich rhythmisch zu bewegen und bin für einen Moment abgesoffen. Abgesoffen im Genuss sozusagen.


Liege drei. Von rechts. Von neben den Radeln aus gedacht. Die muss man sich wirklich merken. Das ist DER Spot hier. Die Bühne. der Table. Biologen würden sagen, hier befindet sich ein schützenswertes Biotop der Artenvielfalt.


Noch vor zwei Wochen hat meine Strampelbegleiterin Ni. mich mit einem unterdrückten, süffisanten Lacher auf den wohlgenährten Sonnenbankweißhaubengoldkettchenschwan aufmerksam gemacht, der dort den Spot des letzten Strahles der abendlichen Sonne mit seiner Lebensbühne verwechselt hat.

Ich vermute ja, dass er im gleißenden Gegenlicht das Plätschern des Wassers für Applaus gehalten hat. Das Licht, das sich in den Wellenspitzen gebrochen hat für die Handylichter der tobenden Massen. Seine Choreographie, sein weißes, unterdimensioniertes Kostümchen um die vermutlich fünfzehn bis zwanzig Kilogramm zu viel tragenden Hüften, sein ebenso weißes Häubchen auf dem hohlen Köpfchen schrien ja alleine schon um die Aufmerksamkeit des gesamten Bades. Sich dann aber in den Spot zu stellen, nachdem man eine Runde um das Becken stolziert ist wie ein Gockel, sich dem Publikum zuzuwenden mit einem Körperausdruck der nicht lauter hätte hinausposaunen können: "Seht her, ich bin's der vermeintliche Schwan und ich werde jetzt mit meinem Schwänzchen wackeln bis euch allen die Wollust aus den Ohren heraus quillt!" Sich hinzustellen, den Blick auf die schwarzen Konturen der Köpfe im Wasser, sich einzubilden, jeder Blitz der sich in den Wellen brechenden Sonne wäre der Blitz einer Boulevardkamera mit Teleobjektiv. Sich von keinem Schmunzeln, das man erhascht verunsichern zu lassen. Im Gegenteil, sich davon noch anspornen zu lassen. Das leere Höschen immer vorne weg noch ein paar Posen aus dem Bodybilder-wärm-dich-auf Programm zu tanzen ....

Manchmal hätte ich wirklich gerne die Selbstwahrnehmung eines Mannes.


Immerhin hat er für bestimmt eine Viertelstunde das gesamte Bad in Peinlichkeit vereint und schlussendlich damit göttlich amüsiert.



Heute dagegen werde ich belohnt für meinen Mut, mich alleine auf den Weg gemacht zu haben.

Zum einen ist um acht Uhr morgens wirklich nur die ernsthafte Elite anwesend. Die Sportschwimmerbahnen sind voll. Neidvoll genieße ich die Blicke auf diese ästhetische Bewegung. Körper, die durchs Wasser gleiten. Mein Bereich ist - anfangs zumindest - noch leer. Freu. Da kann ich ja noch bissl mit den Flossen Wasserlage üben.


Also rein. Gewichte dran und los geht's erst einmal mit Aquastrampeln. 8:10 Uhr ist jetzt. Bis 8:50 Uhr dann schauen wir mal, was die Gräten sprechen.


8:30 Uhr

8:37 Uhr

8:45 Uhr. Der Triathlet betritt die Bühne. Echtbraun. Knappes Schwarzes. Oben fast Platte. Kurz. Mitte. Ein Hintern zum Anbeißen. Dazwischen. Ein Kreuz zum Erblassen hinten. Vorne ein Brett von einem Bauch, dass die Sirenen Ihren Gesang verlernen. Die Sporttasche über der Schulter schreitet er an mir vorbei. Deja vue. Tiefergelegter, hochroter Strampelkopf trifft auf Profiprofil in unerreichbaren Höhen. Wuuuuuuuunderbar! Augenverdreh, Wasser schluck. Hatten wir das nicht gerade erst? Ich? Zwei Etagen kleiner? Zwei Etagen zu anders? Einmal nicht dem Altersstandard entsprechend einmal nicht dem Profilevel? Einmal zumindest hat er mich gestreift. Der Blick. Von oben. *Ich könnte dir das Wasser reichen*, bete ich dem Astralkörper hinterher. Runde fünf sind wir. Immer noch. Jedenfalls, ich fange mich. Die Sporttasche auf der Schulter dreht er eben keine Runde um das Becken. Er biegt gerade um's Eck des Beckens. Inzwischen gute zwanzig Meter weit weg von mir. Geht zielstrebig zu

der dritten Liege von rechts.


Ich habe inzwischen den Point of return erreicht und returniere. Weg ist er. Aus den Augen, aus dem Kopf.

Vorerst.

Wirklich ein schöner Mann, denk ich so auf den ersten Metern der Runde sechs. Aber, mein Herz hängt ja schon an einer anderen Garderobe. Der war reizvoll, rudere ich so vor mich hin, aber ...

Komisch sind wir Menschen schon, mein Kopf fährt mit seinen Fingern schon wieder ein anderes Sportprofil ab. Das mit der Garderobe. Ist vielleicht nicht so perfekt. Aber der Zweikomponentenkleber hält. Die Klamotte bleibt hängen. Da rüttelt auch kein noch so gestählter Wasserpritschler dran. Beckenrand erreicht. Ende. Turn. Re-turn to re-view. Rund sieben.


Und im Licht der morgendlichen Sonne, erstrahlt der Neodonis im kleinen Schwarzen. Bereitet sich vor, seinen Astralleib mit Gummi zu beschichten. Für Neudeutschler: Er zieht soeben sein Ganzkörperkondom über. Seinen Vollneo. Spitzen Fingerchens streckt er seine linken Zehen soeben durch die Fußöffnung. Ballettösen Fußes stellt er das Bein auf der Liege ab. Einem Nylonstrumpfe gleich streicht er seinen Neo behutsam über seine Fessel, seine Wade, hoch zu seinem zarten, zähen Knie. Grrmmmm, wäre ich ein Hund ich würde kurz zwei-,dreimal ins Wasser schnappen. Reflex. Fassen wollen. Lichter fangen. Neos. Ich mag Kerle mit langen, zarten, unübertrieben muskulösen Beinen. HgrrrrrrmmmmmGrrrrrrr... Ich bin garnicht bei ihm. Ich bin schon wieder bei der Garderobe.

Strampeln. Return. Runde acht. Weg hier. Feine Finger, feine Beine, Mittelschrank, klitzeklitzekleines Pölsterchen am Bauch. Oh den Bauch den würd ich gern mal ... Meine Gedanken. Hilfe! Ich häng schon wieder am Haken. In der verlassenen Garderobe. Versteht sich. Industriekleber eben. Was bappt, das bappt. *Wat mut, dat mut*, würden meine Hormone vermutlich sagen, würde ich sie fragen.


Re-re-re-Return. Gedanken verloren. Strampeln. Hin. Her. Hin. Her.

Ich könnt ja nochmal einen Blick riskieren. Der ist bestimmt schon im Wasser. Checken, ob er wirklich so schwimmt wie er sich vorbereitet. Vielleicht spreche ich ja den an wegen 'Zeig mir mal'.


Und im nächsten Moment setzt mal kurz das Überlebenszentrum aus.

Chippendales in elegant und rückwärts gesehen. Meine Güte ist das ein graziler Anblick. Wie der sich die Presswurst über die Hüften aalt. Ob das beim unfreiwilligen Meister meiner hormonellen Steuerung auch so gut aussieht? Bestimmt. Besser! Definitiv! Muss ja nur hinschauen. Er ist ja da vorne. Wir sind hier auch mitnichten im Schwimmbad. Walchensee. Zwergerlinsel. Das Kite liegt schon bereit. Die eiskalten Wellen branden und schlagen mir ins Gesicht, als der seinen Arm in den Neo gleiten lässt. Zwei, drei butterweich rollende, fast schon weiblich elegante Windungen seines Körpers. Der Neo bedeckt die linke Schulter. Vorwitzig, ästhetisch lockt die nackte, braune Haut der rechten Brust. Der rechten Schulter.

Gleich wird er seinen Gurt umlegen, das Board nehmen, Click, den Schirm in den Wind stellen und aus meinem Leben schneiden. Nicht, ohne dass er mir eine Welle um die Ohren haut.


Ich schlucke Chlor. ich saufe ab. Huste. Diesmal konzentriert sich das Bad auf den Nebenschauplatz. Vor der Bühne. Auf das Hustende mit dem blauen Schwimmgürtel. Die athletische Presswurst springt - von mir gänzlich ungeklebt - ins Becken und krault, wie sollte es ander sein, wie ein Gott.


Einige Bahnen beobachte ich ihn. Dann wage ich die Schritte. Hin zu den heiligen Bahnen. Kurz vor seinem Point of turn. Hin zu meinem Point of no return.

Falsche Verschaltungen muss man regelmäßig mit den richtigen überlagern. Das predigt mir der Garderobenmeister ja nun schon lange genug. Hab ich ja auch gelernt. Nur so entstehen neue Bahnungen, die alte oder besonders starke Bahnungen irgendwann überlagern können. Man muss dann nur darauf achten, dass die alten Bahnungen nicht immer wieder befeuert werden.

...

Schlechter Witz.

...

Kann es ja mal probieren. Und wenn nur ein 'Ich zeig dir wie's geht' dabei raus schaut.

Wenn ich den Superschwimmer, den ich ansprechen wollte nicht wieder treffe, dann bringen wir unseren Kopf halt mit PellAdonis auf neue Gedanken.

Oh Oacht, er naht! Gleich ist der Point of no return erreicht, dann muss ich die Fassade der ganz Selbstbewussten aufziehen. Freudlich, sportlich, weich lächeln, meine Stimme erheben. Alles Dinge, die ich aber sowas von ... schlechter Witz.


Nur zwei Meter noch. Brems Wurst, Brems!!! Ich strample, was die Ehre her gibt. Noch drei Schläge, dann erreicht er den Beckenrand.

Vor mir. Taucht, kommt hoch, drei Schläge noch, dann ist er auf meiner Höhe.

Lächeln, Kind, lächeln!!!! Fingerchen aus dem Wasser!! Breitmaulgrinsen, und, vorbei ist er. Noch bevor das Grinsen fertig ist.

"Temposünder" maule ich ihm hinterher und drehe ab. Diskutiere bis zum Ausstieg noch mit dem maulenden Gör, dass auf meiner Schulter sitzt, mir ihre drecks Versen in den Brustmuskel trommelt und heult: *Siiiiiiiiieehst, ich sag dir jedes mal dass du für so Typen nicht interessant bist, du blöde Schachtel und jedes mal lässt du es mich doch wieder ausbaden. Du bist 'ne blöde Kuh du! Mach dir das doch künftig selber....* Ich lasse sie gar nicht ausreden. Soweit kommt's noch. Will die doch glatt bei Erwachsenenthemen mitreden!?! Na dann gib ihr: "Mach ich mir doch eh", kontere ich.

So. Jetzt is'se platt.

Das ist noch drei Klassen zu hoch für sie.


Gürtel aus. Raus. Ab in die Garderobe.


Da stört mich wenigstens keiner beim Träumen.





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