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020_2022. Den andren Rücken bitte du Arschloch! Heilige Scheiße, das verspricht lustig zu werden!

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 19. Mai 2022
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Juni 2022

Freitag, 20.05.2022, 11:00 Uhr. Hinterhof, der andere Rücken

Nach drei Ehrenrunden um den Schlachthof rollt meiner Dicker dann doch durch den Torbogen in den Hinterhof. Sam raus, an die zum Glück immer im Auto lagernden Zurrgurte knoten, alle Türen auf. Wird er schon aushalten jetzt. Trotz Sonne prall. Den groben Feinstrumpf von Adidas gepackt, schnell ins Klo gewitscht und die Optik ans sportliche Ambiente adaptiert. Na das fängt ja gut an!!! .... Jetzt klemmt die fucking Nasszellenbereichstür. Ich werde jetzt nicht keine Ahnung wie viele, sportliche Schnuffis auf den Plan rufen, mich aus dem Klo zu extrahieren. Sicher.... nicht .... du .... sch..... .TÜR GEH AUF!!!!! Ich versuche mit aller Macht den Knauf zu drehen.

Bock fest.

Leichte Panik kommt auf.

Reinatmen.

Mit Gefühl. Was bei mir funktioniert...

Offen.


Setze mich noch raus zu Sam vor meinen Transporter auf den Boden und knuddle ihn ein bisschen. Muss eh noch warten.

Er ist schon echt so ein lieber, sanfter Kerl. Zwei Beine wenn er hätt und bissl weniger Haare ... ich würd ihn echt so 'n Stück in mein Herz lassen, den Buddha. Der Herr ist um Blödeln aufgelegt. Lässt sich gegen mich fallen und gurgelt mit seinem Pinzetten-Besteck-Schnauze neben meiner Nase herum. Prinz Eisenherz huscht an der offenen Türe vorbei. "Hi", ich so freundlich wie es mir der Stacheldraht im Mund erlaubt. "Hi" oder so. Er. Zurück. Sichtlich irritiert. Man sitzt ja auch nicht am Boden. Neben einem Hund.


... Zeit geht ins Land.

...


Blick zur Türe. Intuitiv. Coach // erscheint. "Ist soweit?"

"Ja", er. DIE käme gleich raus, dann könne ich gleich rein.

DIE?! Interessant.


Rein in den Saunaraum. Prozedere wie immer. Wie der Rücken heute so ist. Palaver. Wie immer ist er heute besser. Sonst wäre ich auch kaum mit dem blanken Arsch auf dem Kopfsteinpflaster gesessen. Wobei, blank war er nicht. Und schön war's jetzt auch nicht. Aber besser als fünfzig hysterische Zentimeter Hintern auf zehn harte Zentimeter Einstiegskante vor den Hundeboxen quetschen wollen. Wo waren wir eben stehen geblieben im Palaver? Ach ja. Bei gestern Abend. Wie richtig übel taub, dann sakkrisch schmerzhaft der Hax wieder wurde. Dass ich dann trotzdem bissl Wasser verdrängen gegangen sei, weil dachte: Morgen bist ja eh bei ihm, also kannst heut auch mal riskieren dass es schief geht. Und wie man sähe, sei's zur Abwechslung heute deutlich besser. Rhabarber, Rhabarber, .... Flipperpalaver eben. "Leg dich ma, ich brauch dich mal auf den Rücken", geht er auf die Pritsche deutend an mir vorbei um was weiß ich was noch zu tun.

Schwups.

Oben.


Fazit? Bauchlage.

Im Vorbeigehen er: "Den anderen Rücken, bitte."

...

Ich hör es schon wieder, das Grinsen in seinem Gesicht. Vergrabe meinen Kopf im Handtuch, werfe die Arme die Pritsche hinunter und bete, der Schaumstoff möge sich öffnen. "MUMPF!" ist alles, was aus meinem Brustkorb dringt. Der Sack lacht immer noch. Ich hör das! Auch wenn ich nix hör.

Ich hör das!

Was ein Glück, dass er grad hinter mir ist, echt! Reicht schon wieder, dass wir denselben Sinn für Humor haben. Da muss ich nicht noch in ein Gesicht sehen, das mir weitere Kapitel auf Band spricht. Wirf einer bitte das Mikro an?

*Die kleine G. sucht ihre Distanz. Distanz zur Rezeption kommen, bitte. Distanz, bitte! Die kleine Hormonkeksin wartet darauf, aus dem Kinderparadies abgeholt zu werden. Distanz zur Rezeption bitte! Die kleine Hormonkeksin wartet darauf, aus dem Kinderparadies ....*

Ham ma's scho wieda beinand, Frau M.?! Ich gratuliere! zieh ich mir die Augenbrauen hoch. Im Umdrehen von Bauch auf Rücken ironisch, laut zurück: "Den aaaaaaanderen?!? ... Ach deeeeen?! Sag doch gleich!!!!" Fast gelandet schieb ich hinterher: "Warum sagt mir das eigentlich keiner?!? Dann nehm ich doch einfach den anderen."

Er hängt gerade das Handtuch an die Stange, dreht sich und, was soll ich sagen... Das war's dann auch schon wieder. Ein Blick auf das herrlich herzliche Schmunzeln. Gut für heute! Reicht!


Es ist zum Verzweifeln!

Hormone, ab in die Ecke und schämt euch, was ihr da gerade wieder angestellt habt!!! Fuck! Schitt!! Wirklich!!!


Falscher Ort, falsche Ecke. Ist schon von Fingerchen besetzt.

Und Fingerchen pickst mir gerade zwischen Rippe zwei und drei gewaltig in die Brustmuskeln: "HAB"

- picks -

"ICH's"

- picks -

"DIR"

- picks -

"doch"

- picks -

"ge" - picks -, "sagt" - picks -,

"DU-DUMME-NUSSSSSSSSS!!!" - booooooooooohhhhhhrrrrr!!!!! -

Und noch eins drauf, weil's so schön weh tut: "Pack"

- PIIICKSS -

"deine Hormone"

- PIIICKSS -

"und schau,"

- PIIICKSS -,

"dass endlich Land gewinnst!!! DieseEckehier ist"

- PIIICKSS -

"schon besetzt!!!"

- O H R F E I G E! -



...

Die Lage beruhigt sich langsam. Oberflächlich zumindest.

...



Gähn mir'n Wolf. Tränen im Augenwinkel. "... ich schlafe aber auch schlecht im Moment..."

"... Vollmond" ich, retour.

"... und was für einer", er.

Stille. Für einen Moment. Da klingt was. "Ein riesen Vollmond", er.


Pause.


"Hab manchmal das Gefühl, der Mond wächst. ... ", er. Und schon wieder dieser leicht schiefe Ton, der mitschwingt.

Es grinst. Ich hör das. *Wie? Was? Wer wächst? Wieso redest du jetzt von wachsen!!!!* möcht ich sagen. Leicht panisch. Mir geht der Gaul durch. Und nicht nur der. Die Zügel sind schon wieder flöten. Quitsch! Brems!!!!!! Schau mich um. Ungläubig. An welcher Sackgasse hat der mich jetzt schon wieder abgesetzt???

"Mmmmmhhh", brumm ich laut. Irgendwie rutscht mir der Sound dennoch an die Gürtellinie, fürchte ich. Aber jeder halbwegs vollständige Satz würde jetzt genauso gewaltig in die Hosen gehen.

Pffffffffff, hier ist so schon heiß genug. Puls, bei mir.

Ich denk, ich denk grad nicht. Ich hormone.

Und es schmunzelt schon wieder so derartig süffisant laut hinter mir, dass es zum Himmel stinkt. Grins leiser, zefix!!!!! Mein Anstandswauwau kommt hart an seine Überlastungsgrenzen. Der macht mir Angst, der Typ. Kann der Gedanken lesen?


Jetzt, so aus dem heutigen Abend betrachtet schwant mir Übles. Gedanken kann er nicht lesen. Aber sensible Fingerchen hat er. Und wenn die gerade an meinem Hals hängen, derweil er den Lügendetektor anwirft.... Vermutlich ist mir schlicht das Herz in die Halsschlagader gerutscht, als er mit seinem Scheiß Wachstum anfing.


Was ist das Fazit?

Prima Weib, du hast wirklich einen Eimer Zweikomponentenkleber gefressen.



18:44 Uhr, Luise-Kieselbach, Ampel Noch ein kleines Amuse Cul zum Dessert, du Arschloch?!

Halt mir einer die Spanngurte fest!!! Sonst fliagn mia glei d' Eierstöck naus! Mi z'reißt's glei!!!! Trääääänen lach!!!!!


Fahre viel zu früh von Kunden heim, weil neben dem Kreislauf auch mein Hirn zuhause gelassen habe und nun eine andere Kundin vor meiner Türe steht, um Einlass bittet. Verpeilt heut!! Was denn los, Frau? Timing ist doch einfach alles.

Es gibt wenig ungeeignetere Momente, mir als Gedanke ins Hirn zu scheißen. Und so tut er diese, seine Notdurft, als ich mit einem heiteren Blitz im Rücken auf die Ampel Luise-Kieselbach zurolle.

Rot.

Die Ampel.

Der Blitz bringt mich auf den nächsten verpeilten Termin. Morgen früh. Fuck! Wir sind zum Schwimmen verabredet. Meine Strampelbegleiterin und ich. Und ich wieder frisch von der Mobilbank runter.

Handy gezückt. Daumen. Sprachnachricht kommt vor Hirn:

Vernichte ich vielleicht gerade mit solchen 'Scheiß da nix, na foid da nix Aktionen' immer wieder alles, was er grad gezogen hat? Vielleicht ist das ja wie bei der Osteopathie. Immer schön mindestens zwei Tage Pause machen. Vielleicht ist jetzt der gravierendste aller Fehler meinerseits gelüftet. Ob er das auch so sieht?

Gelb. Grün.

Die Kolone rollt.

Meine Gedanken auch. Nur das Handy, das fliegt fix auf dem Beifahrersitz. Den Beifahrersitz, auf dem seit Monaten der auf seine Abschiebung wartende Fluchomat sinnbefreit herumlungert. Vermutlich kommt jetzt *Ja klar, du solltest schon...!* zurück. Ist ja auch logisch, denk ich so. Super, denk ich noch so weiter, dann muss ich meine Begleitung schon wieder versetzen. Ein Gedanke fliegt der Nachricht hinterher: Antworte jetzt bloß nicht das falsche! Dann schlägt das Handy auf dem Beifahrersitz auf.

Dunk!


" DU ARSCHLOCH"


Eine blecherne Dame, gefolgt von dem vertrauten Flllumppp-Sound einer sich durch den Äther verdünnisierenden Whatsapp- Sprachnachricht.

...

Und ich am Fahren und kann nicht agieren.

Heilige Scheiße!!!!!

Ich hoffe wirklich, die freundliche Frau am Ende der Nachricht hat ihre Äußerung lang genug für sich behalten. Sonst könnte das mit der weiteren Kooperation schwierig werden.


Muss schallend lachen. Die Tränen laufen. Die Straße schwimmt.


Göttlich!

Einfach göttlich!


Und nun? Was fangen wir an mit der Klebervergiftung?


Loslassen.

Lass laufen. Wäre klug.

Das sind die Geschichten, die das Leben schreibt.


Wir werden sehen.



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