031_Matrix
- GM

- 15. Juli 2022
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Juli 2022
16.07.2022 Samstag, 5:30Uhr, Bett
Pfffff.... gääähn.
Ich hab's ja echt mit Vögeln.
Aber,
wenn sie mich um 5:30 Uhr aus dem Bett brüllen, dann bekommt das Fass ein Loch. Den dritten Tag in Folge.
Gäääääähn..... streck.....
Seit neuestem hab ich einen Bettfreund. Ok ok. Ich gebe es zu. Ich habe dem Zahn der emotionalen Zermürbung nachgegeben und mir einen bestellt. Dass ich dafür mal bezahlen würde hättest mir vor einem Jahr auch noch nicht erzählen dürfen. Wie er aussieht? Naja. Sagen wir, er erfüllt seine Funktion. Weich, ganz kurzen Flaum. Bissl mausgrau. Zugeben, das Mausgrau vom grünen Kunstrasen, das langsam die Weichheit von Ü30 bekommt wäre mir nach wie vor lieber.
Aber, was ned daher schwimmt. Achselzuck. Folglich zahl ich halt für einen vermeintlichen Bettfreund. Für das nächtliche Gefühl der Geborgenheit. Bin bestimmt nicht die erste. Sonst gäbe es sie ja nicht. Und, was soll ich sagen. Es funktioniert. Der Pulsschlag fehlt und noch so paar Gadgets, die schooooon einen sehr erheblichen Unterschied machen.
Aber, nu. Achselzuck.
Ich dacht halt: Wat mut, dat mut. Besser als nix wird er schon sein.
Ich roll mich über den Neuen auf die Bettkante.
Der formschöne, funktionalisierte Ex mit den silbernen Chromblenden lockt schmeichelnd und blinkend vom dunkelbraunen Pseudoparkett. "Guten Morgen, Minimi. Na, aufgetankt?", brummle ich grinsend in die Bettdecke. Glotze ihn an, überlege. Nein, ich hab jetzt genug von meinen Ersatzwelten.
Raus aus den Federn. Schauen, was das neu gegenderte Fellvieh in der Küche so macht.
Gähhhhnn.... steck.
Gesicht reib.
Auspuuuuuust.
Au!
Ich war gestern eindeutig beim Coach mit den weißen Beinen und den extrem komischen Sportsocken. Akribisch hoch gezogene Sportsocken in akribisch hässlich ausgesuchten Farbkombis auf nackten weißen Beinen sind ganz klar das moderne Pendant zu der weißen Feinrippunterhose, die Mann unter die Achseln gezogen trägt.
*ggg* keinen Geschmack die gehobene Jugend.
Wenn's wenigstens helfen würde, mein Hirn zu kühlen. Aber nicht mal das Bild im Kopf hilft wirklich. Und auch nicht das Knie, das von vier Kilo schon wieder die Schnauze voll hat.
Aufstehen.
Andere Gedanken.
Meine Hand rutscht über den rauen Handlauf nach unten ins Erdgeschoss. "Sam? Alles gut bei dir?" Was macht das frisch entmannte Seelchen wohl? Geht's ihm gut? Kragen ausgezogen? Hat es sich bewegt? Tausend Gedanken verteilen sich auf neun Stufen. Da liegt er. Wie gestern abends. Ach Hund.... mach mir nicht so ein schlechtes Gewissen. Ich komm mir plötzlich vor, als hätt ich die ganze Männerwelt zum Tierarzt gebracht. Mach ich nie wieder. Komm mir vor wie die vertrocknete, verbitterte Hexe die der armen Männerwelt aber auch so nix nicht gönnt. Was für ein Blödsinn. Muss grinsen.
Schleiche mich an dem regungslosen Vorwurf vorbei in die Küche.
Wasser.
Schluck, schluck, schluck.... viertel, halber Liter ist drin. Der beste Kaffee den du morgens trinken kannst. Das Rädchen der Kaffeemühle gedreht. Vermutlich drei Euro werden zwischen ihren Zähnen genussvoll zerrieben. Mein zweiter Wecker. Wasser in das Singleespressokännchen. Sieb greifen. Den frisch duftenden Espresso de luxe in den Bauch des Siebes schütteln. Das Pulver verteilt sich auf meiner Handkante, meinem Daumen. Meinem Zeigefinger. Sanft festdrücken. Den Rest absteifen. Hm...
Wieso biegen meine Gedanken eigentlich .., und wohin eigentlich schon wieder...
Reiß di zam, Weib! Drei Zentimeter Durchmesser sind nicht drei Zentimeter Durchmesser und Kaffeepulver hat nun wirklich nichts mit Milch oder auch nur Ersatzmilch oder ähnlichen Parallelprodukten gemein. Haare rauf.... Man kann aber auch .... wirklich alles... wenn man will.
Es schüttelt meinen Kopf.
Neuprogrammierung. Reale Bilder drüber füttern. Beginnen wir beim Fakten sammeln: Weiße Beine. Vor's innere Auge holen. Kräftiger als du es erwartet hast. Vor's innere Auge holen. *Aber die drei Zentimeter Durchmesser...* Die Hormone wieder. Immer für ein Aber zu haben.
*Sind drei Zentimeter Siebdurchmesser zwischen Daumen und Zeigefinger. Und? Was weiter? Ihr seid echt leicht drüber*, versuche ich, dem Verstand einen Weg zu bahnen.
Samstag morgen. Geht ja gut los schon wieder. Grins.
Kännchen zudrehen. Ab auf den Herd und
die Platte dahinter angeschaltet.
Eine Minute später?
Mich amüsieren.
Wunderbar! Wieder einer der Tage, an denen ich den Kaffee auf der Kellertreppe koche. Unglaublich.
Knips! Mit L. geteilt: Morgähn, du Liebe. Du solltest heute ein Auge auf mich haben im Schwimmbad. Es könnte sein, dass ich versuche Beckengrundlage zu üben oder die Luft an der Luft zu halten und Kiemenatmung zu üben.
Lege das Handy weg.
Es ist eine weitere Minute später.
Warum ich das erwähne? Nun. Wunderbar! Das habe ich auch noch nicht geschafft.
Wahrgenommen, Witz gemacht und den Kaffee weiter auf der Kellertreppe gekocht.
Ei ei ei.......
Noch schnell Emails checken.
Wer? Was? Wieso? Welche Matrix verändern? Konzept? Wovon schreibt der? Pffff, wurscht. An meine Matrix traut sich eh keiner dran. Da hat ja jeder Angst vor den unkontrollierbaren Auswirkungen. Wovor? Na, dass ihm das Konzept noch unter den Fingern explodiert, wenn er dran geht, vermutlich. Oder wie soll ich mir sonst erklären, dass jeder Matrixbegabte nach einem zaghaften "Hallo" und dreimal um mich herum schleichen die Bühne verlässt ohne die Return Taste gedrückt zu haben?
Nein. So ist es ja gar nicht. Es gibt einfach keine "Hallos". Wobei, nein. So ist es ja gar nicht. Erst gestern. Im Hof. Dunkler VW. War jetzt nicht übel das "Hallo". Aber .... ah ja.... was willst'de machen. Ich war halt im Kopf schon wieder bei weißen Beinen mit skurrilen Socken.
So. Gut jetzt. Der gegenderte Vorleger muss raus. Dann tapen. Dann Astralleib wässern.
Mal sehen, wie der Tag so weiter läuft.
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