038_2022. Nur wegen dem bisschen Zunge? Oder auch: Das ist doch echt neuronale Verarsche
- GM

- 31. Aug. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Sept. 2022
Irgendwann, irgendwo. Ende August Montag, Dienstag. Nacht. Auf der Piste mit REM.
Was geeeeeeeeht?!?!!!!!!!
Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich nur mit REM unterwegs war.
Eigentlich ist das nicht möglich.
So, wie ich diese Nacht erinnere.
Eigentlich
habe ich tagsüber nur mehrmals das Zungenspiel geübt.
Für die Nacht.
Diese verdammte Nacht.
Die ich meiner Standhaftigkeit
- eigentlich -
gern erspart hätte.
Denn diese Nacht machte aus
(D)ein Anblick verblasst. (D)eine Stimme wird leiser. (D)ein Duft verliert sich.
Was bleibt ist das Vermissen.
ein verfickt, verdammt starkes Begegnen. Ein Spüren. Sehen. Riechen. Ein Erleben, dass nur Wirklichkeit sein kann. Weil ein einziger Zungenschlag mich niemals so in die Irre führen könnte.
Niemals.
Eigentlich
hätte ich seine Stimme niemals so hören können, hätte ich in dieser Nacht
einfach nur
geschlafen.
Eigentlich
hätte ich seine Ausstrahlung niemals so spüren können, hätte ich in dieser Nacht
einfach nur
geschlafen.
Eigentlich
hätte ich niemals so zögern können,
als er mir anbot, mich mitzunehmen, mir gegenüber an sein Auto trat,
die Verriegelung schnappen lies als zweite Aufforderung.
Eigentlich
hätte ich ihn niemals so klar sehen können,
wie er sich auf das Dach seines Wagens lehnte,
mir tief in die Augen sah.
Nein, ich hätte ihn niemals so klar sagen hören können: "Steig jetzt ein, ich nehm dich nur mit."
Niemals hätte mich das kleine Wort "nur", so auf den Boden der Tatsachen betoniert.
Niemals.
Hätte ich einfach
nur
geschlafen.
Hätte ich einfach nur geschlafen, hätte mein Herz niemals so in meiner Brust zu hämmern beginnen können.
In dieser Nacht,
Nicht, nur weil ich neben ihm saß. So nah.
Niemals.
Niemals hätte ich seinen Duft so intensiv riechen können,
hätte ich nur geschlafen, in dieser Nacht.
Niemals hätte ich mich so zusammenreißen müssen, nicht meine Hand nach ihm auszustrecken.
In dieser Nacht.
Niemals hätte mich das Gefühl, ihm so nah zu sein, jedoch keinen Finger rühren, keinen Wink geben, keine Regung zeigen zu dürfen, so zerreißen können.
Hätte es nicht können.
In dieser Nacht.
Wenn ich nur....
Ich hätte niemals vor Glück anfangen können zu weinen, in dieser Nacht, neben ihm. Im Auto. Weinen vor Glück,
nur,
weil er seine Hand vom Schaltknüppel löste um mit seinen Fingern unter meine zu streichen. Sie einzeln - vor Schreck gelähmt wie sie waren - aufzusammeln. Einen nach dem anderen. Mit seinen feinen, weichen Fingern.
Niemals wäre mir der Atem so gestockt vor Schreck. Niemals das Herz so in die Hose gerutscht. Niemals hätte mich der Samt seiner Stimme so beruhigen können:
"Es ist doch gut so. Keine Sorge. Ich nehme nur deine Hand. In meine."
Nur.
...
Hätte ich nur 'nur' geschlafen.
In dieser Nacht.
...
Niemals hätte ich so zittern können. Niemals mein Herz so zu rasen beginnen können.
Nein. Niemals.
Ich hätte diese zarte, junge Hand in meiner nicht gespürt, gesehen, gerochen.
Niemals.
Ich wäre aufgewacht in diesem Moment.
Träume enden.
Niemals hätte ich gefühlte Stunden meine Hand in seiner, seine in meiner gespürt Wieder zu atmen begonnen. Vertrauen gewonnen.
Niemals wäre er mit mir ausgestiegen. Niemals um das Auto, zu mir getreten.
Niemals hätte ich so den Wunsch gespürt rennen zu können.
Weg.
Weg vor ihm.
Vor dem, was ich wirklich war.
Ich wäre aufgewacht in diesem Moment.
Träume enden.
Und schon gar nicht hätte er mich in den Arm genommen.
Groß. Sanft. Stark und trotzdem so wunderbar fein, menschlich. Ehrlich.
Im Leben wären mir nicht die Füße weggesackt, hätte ich diese tausenden Zweifel gespürt
die mich anbrüllten:
"Bist du des Wahnsinns! Sei nicht naiv! Lass um Gottes Willen nicht los! Und schon gar nicht lass es zu! Was du fühlst fühlst du nicht! Hormone. Projektionen. Austauschbar. Nicht sweiter!
Egal, was er jetzt tut, morgen wird du
nur
geschlafen haben.
Ich wäre
eigentlich
einfach
aufgewacht.
Im Leben nicht hätte ich jemals mit meinen Fingern jeden Zentimeter seiner Haut gezeichnet, Stundenlang.
Meinen Kopf auf seiner Brust, mich in den schönsten, greifbarsten, duftendsten Traum geträumt
aus dem ich niemals nicht hätte nicht erwachen können.
Eigentlich kann es nicht sein,
das ein einziges Zungenspiel
meine Welt so in Ungleichgewicht bringen kann.
Eigentlich kann es nicht sein,
dass
nur
die Lage meiner Zunge am Gaumen aus langsam vergessener Sehnsucht ein so körperliches, wirkliches, erlebtes, begriffenes Vermissen erwachsen lässt.
Niemals.
Nun steh ich da, mit einer wundervollen Erfahrung,
die ich nicht missen,
aber von Herzen gern wirklich ,
wenigstens einmal im Leben
leben möchte.
Damit aus
missen
vermissen werden kann.
Damit aus
seinem ein Anblick,
seiner eine Stimme, seinem ein Duft,
und aus
Vermissen
wieder Vergessen werden kann.
Oder Mut.
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