07_2023 Schau nicht auf den rosa Elefanten oder auch Matching law im Mentalcoaching
- GM

- 10. Dez. 2023
- 3 Min. Lesezeit
10.12.2023, Stäblibad
"Schau nicht auf den Rosa Elefanten, schau auf den orangenen Kran"
Brief an:
naja, eben Brief an den ihn.
Lieber Allesmöglichecoach N., Du solltest, wenn du schon ungefragt und erfolgreich in meiner Birne herum stolperst, während
- immer noch und immer wieder viel zu präsent -
deine Hände mich anrühren, du ungefragt tiefer dringst
mit deinen Worten
in meinen Synapsen herumhüpfst und meine Neuronen feuern lässt, ...
dann solltest du wenigstens ganzheitlich mit einbeziehen, was passiert, wenn im Mentaltraining das Matching law zuschlägt.
Du hast, bei mir, - ganz unlawial - einen reichlich unpraktischen Trigger für "Du schaffst das" oder vielleicht auch für "Entspann dich" kreiert.
Hm. Schön und gut. Ich danke dir dafür. Im Prinzip. Aber,
und jetzt kommt das aber:
"Wie, Coach N., soll ich diesen Trigger bitte in meinem Alltag nutzen????" Es ist Sonntag morgen, 8.00 Uhr. Bad Forstenried. Im Kinderbecken grinst mir der rosa Rutschenelefant entgegen. Ich versuche, was gestern mit Coach Schwimm so ungeahnt und faszinierend geklappt hat. Ganze Bahnen in Trance, ruhig mit einem Atemzug dahin zu gleiten. Heute ist niemand bei mir der meine Augen und meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nur ich, das Becken, die Sonne, die mir ins Gesicht strahlt
und der rosa Trauma-Elefant meiner Kindheitstage. Ich schwimme los. Ich scheitere. 1,5m vor dem gegenüberliegenden Beckenrand. Tauche nach drüben. Lehne mich an. Atme. Gehe in meinen Körper. Lasse locker. Streife sie ab, die Gedanken, löse mich aus ihrem Klammergriff. Ich hebe meinen Blick durch die beschlagenen Scheiben nach draußen. Ein Augenblick. Da. War etwas. Etwas, das gut ist. Meine Augen bleiben einen flüchtigen Moment nur an einem, von der Morgensonne strahlend tieforange erleuchteten Baustellenkran hängen. Lang, seeehr lang, unmöglich lang und ruhig ragt sein Arm in den blauen Himmel.
Ruhe. Nun auch in mir. Es schmunzelt mich. Ich atme tief und locker ein. Gehe langsam auf Tauchstation, stoße mich ab, schließe die Augen und lass alles los, was halten will, während ich langsam durch die Stille des Wassers gleite. Zug folgt um Zug. Etwas in mir, das "ganz ohne" streicht mich liebend über jeden Muskel, jedes Lungenbläschen, das zurück will zur "Gewalt", zum halten, zum wollen. Dieses "Etwas" nimmt jeden Panikgedanken, der durch meine Neuronen jagt in den Arm. Ich werde eins mit der Materie. Mein Atem strömt langsam und locker aus mir. In das, was alles ist und nichts. Einfach nur sein. Zug um Zug. Ohne Ziel. Frei von Furcht, von Angst vor "keine Luft mehr", "Wasser einatmen", "scheitern". Ich fließe. Bin. Da stoßen meine Finger an den Beckenrand.
Ich hebe den Kopf, sehe mich beglückt und ungläubig um. Wahnsinn. Diese Leichtigkeit. Keine Gefühl der Enge, kein Gedanke an Scheitern. *Erwarte nichts, dann bekommst du mehr*, denk ich. Immer wieder der einzig richtige Weg. Nichts erwarten. Tun. Viel zu selten habe ich den Mut dazu. Aber so geht es. Nur so geht es. Bahn um Bahn. Bahn um Bahn geht es. Rosa Elefant. Ich scheitere. Orangener Kran. Easy going. Die Zeit, das Wasser, das Gewinnen und scheitern zeichnet still und vorsichtig ein Muster. Kann nicht sein, denkt der Kopf. Ist so, antwortet das Schmunzeln.
Nun stellt sich mir nur eine Frage, Coach N.. Wie hast du dir das eigentlich gedacht? So ein orangener Kran ist wirklich kein alltagstauglicher mentaler Trigger. Oder hast du schon mal eine Frau - ach was sage ich - einen Mann gesehen, die oder der mit einen 20m Kran unter den Arm geklemmt durchs Leben läuft? Ich bin ja zu vielem bereit und, du hast mir stets den Glauben gegeben, dass der Tag kommen wird, an dem ich gestärkt aus allem hervor gehen werde, aber, Coach, auch ich habe Grenzen. In dem Fall physische. Da wäre ja dein (Seifen)parfum noch brauchbarer gewesen. Nu! Das kann'se jetzt ma schön wieder in Ordnung bringen, Cheffe!
Matching law, mein Lieber, ist ein Gesetz. Lass dir das von jemandem gesagt sein, der wirklich Ahnung hat von den Gesetzen des Lernens. Von jemandem, der das Brennglas, die Lupe hält, der die Zeit langsamer drehen kann. "match" ist nicht nur eine Spielregel im Sport oder die Tatsache, dass deine Person, dein Wesen schon beim ersten Blick super mit meinem Hirn "gemached" hat, noch bevor du den Mund aufgemacht hast. Nein, das "match" ist ein Gesetz des Lebens. Es ist das kleine Arschloch, das immer, zu jeder Sekunde deines Handelns lachend um dich herum tanzt, derweil du deinen Fokus auf etwas ganz wo anderes richtest. Es ist genau das kleine Arschloch, das dir einen Kaugummi nach dem anderen unter die Schuhsohle klebt, während DU glaubst, alles im Griff zu haben, genau auf dem richtigen Weg zu sein. Bis de dann festklebst und gar nicht verstehst, wie daaaaaas jetzt kommen konnte.
In dem Sinne, Coach.
Gute Arbeit.
Aber 'n klitzekleinen blinden Fleck gehabt, wa?
;-)
Von meinem/meiner Galaxy gesendet
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