051_08.12.2021. Philosophische Wannen-er-güsse oder auch "Besorg dir was, ..."
- GM

- 8. Dez. 2021
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Juli 2022
08.12.2021, daheim
Philosophische Wanne-er-güsse #philosophischeWannenErGüsse
Bad, 16:50 Uhr
Weinrot läuft das Öl aus dem Fläschchen. Sonnengelb irritiert das Zweite seinen Weg. Sie mischen, sie trennen sich. Malen wandelnde Bilder auf den weißen Wannenboden. Wie Meteoriten knallen die Meersalzkristalle in diesen weichen, fließenden Lauf. Treiben die Bilder vor sich her, bis das Wasser sie alle auflöst und vereint. Mit flachen Händen fahre ich über den Grund unter meinen Beinen hindurch. Vor, zurück, hin und her. Bis kein Kristall mehr um meine Hände spürbar wird.
Schön, wenn sich alles auflöst, ungreifbar wird und dennoch bleibt.
Nocturne Worakls. Der Beat des Basses fängt sich an den engen Wänden des Badezimmers. Drückt durch die Wanne. Vibriert an meinem Rücken, meinen Beinen, meinem Hinterkopf.
Wärme. Ich lasse mich tiefer hinein sinken. Das Wasser umschmeichelt mich.
Sinke tiefer. Bis zum Hals. Erst jetzt spüre ich, wie fest ich halte.
Rutsche tiefer. Lasse meinen Kopf sanft in die Wärme des Wassers hineingleiten. Es streicht und umschließt meine Kopfhaut, nimmt die angespannten Gedanken mit fort. Schmiegt sich an meine Wangen. Umschließt meine Ohren. Wie Algen in den Wogen der Brandung streichen meine Haare sanft über die Haut meiner Schultern. Meine Arme schweben.
Kein Boden mehr.
Vorsichtig beginne ich, den Kopf zu wiegen.
Ich mag das Gefühl.
Dieses samtige Gefühl streichender Haare auf meiner Haut.
Mein Kopf schwebt.
Kein Druck mehr von außen wird mir der Druck von innen gewahr.
Kein harter Boden.
Ich wiege nach links, nach rechts. Mein Hals wird nicht brechen, mein Kopf nicht herunterfallen. Nichts wird weh tun, hier im Wasser.
Es wird mich tragen.
Abgeben.
Loslassen.
Den Kopf beruhigen. Nichts wird passieren.
Nichts.
…
Nichts, dass ich nicht will.
…
Wieder stoße ich das Wasser an. Schwinge mit ihm. Mein Körper treibt. Ich atme ein. Mein Körper steigt. Er schwebt. Mehr Wasser.
Neue Wärme.
Hänge im Nichts. Kopf unter.
Stoße mit dem Fußballen den Badewannenhahn an.
Tosender Lärm dringt an meine Ohren. Zigfach stärker. Wasserfälle toben. Hinein in meinen Kopf, in die Wanne. Der Klang des Aufprallens, des Eindringendes gurgelt ungefiltert durch meine Gedanken.
Wegschwemmen.
Lasse sie fliesen.
Vorbei fliesen.
Fallen.
Ich möchte Stein sein in einem Gebirgsbach. Einen Tag Stein sein in einem kleinen Gebirgsbach. Liegen auf dem Grund einer kleinen Gumpe. Über mir durchstößt Wasser Wasser. Eint sich laut und friedlich in ein einziges Großes.
Ich atme aus und sinke,
atme ein und steige.
Atme aus und sinke,
atme ein, tiefer, ein, und steige, tiefer, ein, und steige.
Stoße aus und verschwinde bis mir das Wasser in die Nasenlöcher läuft.
Atme ein und beginne im Klang der Musik meinen Kopf, dann meinen Körper fließen zu lassen. Biege mich links, rechts, links. Lasse mich von den aufgeschaukelten Wogen wiegen.
Ich lasse meinen Körper fliegen.
Der Bass vibriert auf meiner Haut.
Treibe im warmen Schutzmantel.
Muss nichts halten.
Muss nichts fürchten.
Mein Hirn wird ruhig.
Mein Körper folgt.
Frei.
In diesem Moment bin ich wirklich frei.
Tue nichts, das ich nicht will.
Treibe.
Lasse meinen Atem für mich sorgen. Samtig weich streicht mein Haar. Der Bass schnurrt durch mich hindurch.
Warm, weich wenn ich sinke.
Kühl, hart wenn ich steige.
…
Gegensätze.
Ich spüre mich.
…
Ich atme aus, halte die Luft.
Die Empfindungen verlieren sich.
Dann verliere ich mich.
Nichts führt zu nichts. Veränderung zu Leben.
In welchem nichts ich mich bewege entscheidet der Fluss meines Atems. Im Übergang zwischen Luft und Wasser bin ich.
Wieder wiege ich den Rumpf, bis das Wasser sich aufschwingt. Hole Luft und gebe ab. Die Bewegung nimmt mich auf. Die Arme folgen. Unter mir, alles im Fluss.
Du kannst loslassen, kein Schmerz wird kommen. Du musst kein Rückgrat bewahren. Lass es fliegen.
So viel Spannung.
…
Einfach schaukeln.
…
Hebe den Kopf.
Einen Moment noch klingt alles weich, dann kommt die Härte der Musik zurück. Lasse den Kopf wieder sinken.
Alles wird klarer, weicher, lauter. Freundlicher.
Treibe.
Drücke meine Zeigefinger in die Ohren.
Die Härte der Außenwelt kann dich in jedem Orbit erreichen. Nehme die Finger von den Ohren.
Farbige Formen im Kopf. Weich, klar. Ein schmeichelndes Laut. Ohren zu.
Härte.
Auf.
Weich, klar, schmeichelnd.
Du kannst eintauchen. Abtauchen in deine Welt, denk ich. Abstand nehmen vom Außen. Du kannst anders hin-hören. Sich aber die Ohren zuhalten, damit du nichts mehr mit bekommst von draußen, das kannst du nicht. Denn dann wird die Welt mit derselben Härte treffen wie immer.
Annehmen. Das, was zu dir dringt durch dich fließen lassen.
Ich bin frei.
In diesem Moment bin ich wirklich frei.
Bad, 17:29 Uhr
Meine Bürste ist unten! #treppenmantra
Ich klebe meine Haare samt Spülung zu einem Klumpen auf dem Kopf zusammen, fingere nach einem Handtuch und steige aus der Wanne. Warmer Dampf steht im Raum. Lässt die Haut nicht trocknen. Eine Socke, zweite Socke, Bademantel überwerfen.
Die Haut bleibt feucht.
Für einen Moment möchte mich die Welt zurück.
Wieso? Wer sagt, ich kann nicht links ein weihnachtliches, dunkelblaues Sternchensöckchen tragen und rechts einen türkisblau melierten, selbstgestrickten Socken? Ich schmunzle versöhnlich dem vorbeifliegenden Gedankenfetzen hinterher, als ich an mir hinuntersehe, um den Bademantel zuzuknoten.
Phuuuuu, viel zu heiß noch, denke ich, lasse den Gürtel fallen und gehe die zwei Stockwerke nach unten. Meine Bürste holen, die seit ein paar Tagen einen Zweitjob hat. Taktiler Reiz.
Aber, dazu später. Vielleicht.
Stufe für Stufe im Dunkeln.
Frei nicht zu tun, was ich nicht will.
Frei, den Bademantel nicht zuzuknoten. Frei in meiner Wohnung.
Und wenn ich Nase bohrend und gänzlich ohne Bademantel, mit einer Konfektions-/ und einer Individualsocke in mein Wohnzimmer laufen will, um eine umfunktionierte Bürste zu holen, dann werde ich das tun.
Es geht mir gut.
…
Stufe um Stufe, die Bürste schon in den Haaren tapse ich wieder nach oben.
Nur nicht jetzt die Achtsamkeit verlieren!
Und wenn du Treppen steigst mit offenem Mantel und Pippi Langstrumpf Socken, dann steigst du Treppen und bist dabei achtsam. Wenn du aber Treppen steigst mit offenem Bademantel und Pippi Langstrumpf Socken und dabei die Haare bürstest, dann ist das nicht achtsam sondern unter Umständen schlicht und ergreifend blöde. Du willst doch nicht, dass du mit gebürsteten Haaren stolperst und dir das nächste, inspirierende Zusammentreffen mit deinem unverhofften Schrägstrichcoach torpedieren, weil es dich – in offenem Bademantel, mit nichts bekleidet als zwei unterschiedlichen Socken – die Treppen runter pfeffert?! das Mantra in meinem Kopf.
Küche 17:31 Uhr
"Besorg dir was, das vibriert" #Besorgdirwasdasvibiriert
Der Wassersieder startet wieder das blaue Raumschiffkommando. Roter Phu Er, gelber Hafer, Teetasse, Thermobecher, …
Sieb. Sieb, …
Sieb, Sieb, Sieb, such …
Ah da.
Als mein Blick auf das schwarze Teflon meiner Bratpfanne trifft, bin ich mir für einen Moment nicht sicher, zu welchem Kauf mich der Schrägstrichcoach da tatsächlich motiviert hat.
Darin leuchtet ein kleiner, irritierend roter Kreis. Um diesen findet sich ein … nun, wie soll ich das nennen ... ein – Zitat - «sonst besorg dir irgendwas, das vibriert«. Das hat er so gesagt. Also hab ich mir irgendwas besorgt, das vibriert. Und das liegt jetzt in meiner Pfanne. Hängt am Kabel und läd. Korrekt: ist geladen. Wenn das Licht nicht mehr blinkt, dann ist das «Sonst besorg dir» geladen.
Mich beschleicht ein komisches Gefühl.
In der Regel leuchtet "etwas" das ich zum vorgesehenen Zwecke gekauft habe blau. Nicht rot. Rot leuchtet....
Mattschwarzer Griff. Mattschwarze Pfanne. Darin: Schwarzes Etwas. Nicht ganz Stab, nicht ganz Micro. Vielleicht ein kleiner Stab mit einem länglich runden Köpfchen oben? Passt in jede Handtasche stand da. Massagestab für Frauen. …stand da. Gesichtsmassage. … stand da.
…
Wenn ich so in meine Pfanne schau, dann beschleicht mich das Gefühl, er hat mich.
Animiert.
Wenn ich das Ding da in der Pfanne in die Hand nehme und das Material spüre…
Weich. Schwarz. Samtige, leicht verschiebliche Oberfläche.
...
Dann bin ich mir nicht mehr so sicher, ob mir irgendwer glauben wird, dass ich dieses "irgendetwas, das vibriert" gekauft habe um die Sensitivität meines Knies trainieren zu können.
Ich muss lachen.
Couch. Das ist der Plan.
17:35 Uhr Couch Die Beine zum Schneidersitz verschlungen. Sound is a colour …Spektrum CamelPhat….. Spectrum of love….. dududududu…der Bass dröhnt aus der JBL Box. Das Laptop auf dem Schoß. Neben mir moved sich Fabian Almacher animalisch perfekt im Scorpion Pushup vom Buchdeckel hinüber auf den Bauch meiner Thermotasse. Ich greife zu und nehme einen Schluck. Heiß rinnt es mir die Kehle hinunter, begleitet vom Sound einer heroischen Geige. Dann setzt wieder der schlagende Beat ein. ... Und die F5 Taste verlässt mein Laptop.
Super! Siebenhundert Öken für eine gebrauchte, selbst-hängende, selbst-schreibende Sch...tastatur. Na prima.
Könnt dem Pieps Maden unter F5 verstecken. Intelligenzspiel für Meisen. Wenn sie schon ständig auf meinen Tasten rum kackt.
... Takte ziehen ins Land. Die linke Hüfte zieht immer noch. Bis ins Knie.
...
OHMMMM! Wie war das?
Schmerz beginnt im Kopf. Nur, wenn Ihr Gehirn die Informationen der ansteigenden Nerven als Gefahr für Ihr Leib und Leben einstuft, werden Sie Schmerz spüren.
Ja? Und? Was hilft diese Aussage jetzt? Die gefährlichsten Unfälle passieren im Haushalt. Achselzuck. Grins.
Immer schneller pulsiert der Herzschlagbeat, dann geigt es aufgeregt wirbelnd aus der der Wumswurst, der JBL Box.
Unterstütz nur mein Hirn in seiner Panik, Mukke! Hinsetzen! Beide! Hirn, du auch! Wumswurst Klappe! Und du hör zu, Hirn. An einem Schneidersitz ist noch keiner zugrunde gegangen. Es wird vermutlich auch keiner sieben übergewichtige Fliegen schicken, die mir just jetzt ins Knie scheißen wollen. Also komm runter, Hirn, und melde bitte mal nach unten, dass es keinen Grund gibt, schon wieder hysterisch zu werden. Oh, das ist nicht liebevoll. Warte! Melde besser: Liebe Botenstoffe, es tut uns unendlich leid, ihr habt umsonst den weiten Weg auf euch genommen. Hier, nehmt eine Tasse Glühwein und ein Stück Früchtekuchen als Wegzehrung. Dank für eure Müh. Geht heim! Ihr müsst uns harmlos herumsitzende Schneider wahrlich nicht melden. Und, … wenn euch der Morgenstern oder irgendeine andere, gottverreckte, verirrte Sternschnuppe begegnet, so folgt ihr keinesfalls. Wir hier brauchen keine neuen Windelscheißer!
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