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038_2021. Coronaparty in der Röhre

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 15. März 2021
  • 3 Min. Lesezeit

15.03.2021 oder irgendwann da, Coronaparty in der Röhre

Klamotten aus, Micky Maus Ohren auf. So geht Huge Heffner Party in der Klinik. Da schiebt dir nicht einer was in die Röhre. Da schiebt man dich in die Röhre.

Nix mit Ketten, Lack und Leder. Mehr so der leicht bekleidete Disneystyle. "Gleich wird's laut, aber es passiert nichts" der Schieber. "Hm. Kenn das schon", ich. Und schon batscht der Assi mir das Heffner Pflichtkostümchen auf meine Ohren. Wieso allerdings Micky Maus heute selbst auf den Ohren Masken braucht... wurscht. Geht schon los.

Ab geht's. Wie am Fließband. Ab auf die Piste.

Augen zu. Der brrrrrrrrrrrrrr Bass im 10/100tel Takt hämmert dem härtesten die Dura mater weich. Das Schwarzlicht blitzt, dass mir schwindlig wird. Riesen alte Fabrikhalle. Eisemumlauf auf sieben Meter Höhe. Menschliche Fratzen zucken im grellen Schwarzlicht. Mir dreht sich alles. Meine Augen, meine Ohren kommen nicht mit. Im stampfenden Beat zieht mich jemand brüllend am Ärmel. Ein Arm, ein zeigender Finger im nächsten Lichtblitz. Zwischen stockdunkel und gleißend erkenne ich - torkelnd - unser. Ziel. Inmitten der kahlen Halle ragen drei überdimensionale rostige Röhren aus dem Boden. Was soll ich da? Ich stolpere - gezwungenermaßen - dem Irgendwer hinterher, der mich durch die zappelnde Masse und dann um die Tonnen herum zieht.

Meine Ohren explodieren. Brrrrrrrrrtocktocltocknrrrrrrt....

Ich stehe.

Ich staune.

Meine Sinne laufen noch Amok. Die Tonnen sind keine runden, rießigen, sinnlosen Tonnen. Wenn man sich zwischen ihnen hindurchgezwängt hat, findet man sich in einem Innenhof. Die Röhren sind aufgeschnitten. Zum Innenbereich hin offen. Darin, wie in Tippis, aufgereiht am Rand, auf einem winzig schmalem Vorsprung sitzen sie. Die Menschen. Wie die Hühner auf dem Donnerbalken. Unterhalten sich. Wie könnt ihr in dem Lärm nur irgendein Wort verstehen?

Wieder zieht es an meinem Ärmel. Mein Begleiter brüllt mir irgendwas ins Ohr. Ich versteh kein Wort. Steh da. Meine Ohren sind dumpf. Mein Hirn stumpfgestampft. Die Augen überflutet von den Eindrücken dort draußen. Trotzdem ist das 'draußen' wie ein Sog. Der Presslufthammersound ist hier drin nur wie unter einer Käseglocke wahrzunehmen.

Es gibt zwei Alternativen. Ich kann mich einlassen auf das was dort draußen passiert und möglicherweise irgendwann komplett aussteigen oder hier drin bleiben, in der dumpfen Blase und den Abend lang das Gefühl einer Sardine in der Dose ergründen.


Ich blicke durch einen Spalt nach draußen.

DUCK!!! DUCK!!! DUCK!!!!! geht die Druckwelle durch jede Schicht meines Körpers. Hitze kriecht jeder Welle hinterher. Dann ist kurz alles stumm. Das Licht, es steht ohne zu leuchten. Momo, blitzt es durch meinen Kopf, die grauen Männer. Sie kommen.

Meine Chance. Ich presse mich zwischen den zwei Zentimeter dicken Wänden der Tonnen wieder nach draußen.

Dssssssssss, der Beat setzt ein. In diesem Moment schiebt mich etwas wie eine Spielfigur auf dem Produktionsband auf die Tanzfläche. Dann toben wieder Blitze, Wellen. Der Druck des Basses durch und durch. Brrrrrrrrrttucktuckruckbrrrrrrrrrtucktucktuck. Hitzewellen hinterher. Es ist, als koche es dich von innen.

Ich lasse mich treiben.

Betäubt. Der Takt trägt mich.


Dann ist auch schon alles vorbei. Der Beat verstummt. Das Förderband schmeißt mich vor die Tür. Raus. Es ist schon hell. Ganz drin ist wie Technotempel. denk ich und genieße die Erinnerung an Hamburg.

Damals. Die Sprünge im Sekundentakt von Edel, zu Boazn, zu Jazzkneipe und, eben... Technotempel. Das einzige Mal in meinem Leben. Faszination. Nicht zu wiederholen. Nichts für meine Sinne. Aber...


Inzwischen haben sie mich gedreht. Jetzt wird noch von unten gelötet. Knie die fünfundzwanzigste.

Außerhalb hat mehr was von daheim, wenn der Nachbar im fünften Stock wieder mal ein Bild aufhängt. Schlagbohrer.

Und dann ist auch das vorbei. Das Gummihuhn ist gar. Abzuholen aus der Mikrowelle., bitte.



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