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009_2020. Anfahren. Von Null auf Normal. Tag 14 bis 17

  • Autorenbild: GM
    GM
  • 10. Sept. 2020
  • 15 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Feb. 2022

Tag 14, Tag sieben zuhause, Freitag

Schlagzeile der Tagespresse, Gabapentin ermordet 48jährige Ich geh hier doch das erste Mal wieder eine längere Strecke als sich mein B&B Gast Gabablabla wieder mit 'am klein Scherzal' meldet.

Schickt mich mit einem ausgeprägten Verbindungsaufall von Muskel zu Gleichgewichtssteuerung auf die Straße. Direkt vor den Pizzaboten in seinem roten Flitzer.


„Sie rufen, wir sind da“, lese ich.


Nun, er hatte gute Bremsen. Und Gabablabla dann doch noch ein Einsehen.



Tag 16, Tag neun zuhause, Sonntag früh

Luzides Träumen. Also ich hab ja inzwischen verstanden, dass Zoster die Nerven schädigt. Aber, …. Ich weiß nicht.

Ich weiß nicht, ob ich wirklich lernen möchte luzide zu träumen. Luzi …. fand ich schon immer einen beschissenen Namen. LU ZI DE. Klingt total nach Luzifer. Aufschreiben soll man alles. Sofort, wenn man 'wach' wird. Weil man sonst zu viel vergisst. Ich weiß nicht. Wäre froh, ich könnte das vergessen. A so an Schaas hab i ja scho lang nimmer träumt!

Was man sich immer so alles „zambuxelt“ in der Träumerei. Da soll mir jetzt bloß keiner mit Freud'schen Traumdeutungen kommen. Weil, der wird nimmer lang Freudsche haben mit mir. Der ist nämlich schneller naus bei da Tür als a schaung ko!


Aber gut, ich habe mir ja vorgenommen, euch zu erzählen davon, wie es mir mit meinem vorübergehenden Untermieter Zoster geht.


Über mir brummt gerade, seit bestimmt zwanzig Minuten, der Lautsprecher, dass mir ganz blöd wird im Kopf. Wenn ich mir überlege, euch von dem saukomischen Traum zu erzählen wird mir noch blöder im Kopf. In mir sammeln sich gerade alle Warner. Ziehen die Messer aus dem Küchenblock, drohen mir. *PRIVATSPHÄRE*, brüllen sie. Und: *Datenschutz!!!!*

In meinem Kopf zu sitzen, und mich mit Messern zu bedrohen ist aktuell ein ziemlich durchschlagendes Verhandlungsargument: *Hab ich verstanden, ihr Lieben. Aber… ich kann den Traum ja immer noch ausXn aus dem Text. Nun lasst mich halt mal schreiben. Die ganzen anderen, auf Normalmenschen bekloppt wirkenden Tagträume, die mir ins Gedächtnis kommen lasst ihr mich ja auch aufschreiben. Opend mal euren Mind, ihr Bremser! Rauswerfen aus meiner Bude unter dem Straftatbestand der Androhung körperlicher Gewalt geht zur Not auch. Eure Entscheidung. Ich wollte eine friedliche Lösung.*


*Nuuu! Geht doch!*


Aber nicht ganz ohne Nachmaulen. Ein Stich an der Lippe musste noch sein. Nachtreten. Nichts anderes habe ich erwartet. Nicht sehr erwachsen. Ich schreibe. Sie treten. Der Lautsprecher brummt. Mir wird kalt. Wieder meldet sich die Schädelseite zu Wort.

Ich muss zugeben, so viele Mitbewohner, die sich ständig mitteilen, wenn ihnen etwas nicht passt sind für einen eremitisch veranlagten Menschen wie mich wirklich eine Herausforderung.


Bin dann mal weg. WG Gespräch mit den Untermietern.


So. Da bin ich wieder. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es ok ist, wenn ich jetzt schreibe, von dem beklopptesten Traum, den ich seit langem erinnere. Und fragt mich nicht, aus welchen Katakomben mein Hirn das ausgegraben hat.



What a strange … Ein Raum. Das Bett tief am Boden. Vielleicht sogar nur eine Matratze am Boden. Oder ein Tofu. Na, Schmarrn, wie heißt des wieder? Joga… Na! Auch nicht. *Gaba, gib Hirn frei! Jetzt!* Futon. Jetzt aber. Weiter. Eher Singlebett. Gefühlt verirrt sich da ab und an eine Frau hinein. Schon eine aktuelle. Seine. Er, im Raum, eher bei der Tür. Ich, auf der anderen Seite vom Bett. Besoffen? Pharma? Will nicht gehen. Merk aber, in ihm arbeiten zwei Seelen. Er will nicht und will. „Ich bin aber besoffen, so kannst mich jetzt nicht heim schicken“, kommt es aus mir. Im Traum spricht man ja nicht so wirklich. Also in meinen Träumen. Zu mir selbst denk ich: Du Arsch, jetzt kannst auch dazu stehen, musst nicht den Schwanz einziehen. Nicht wieder einer der mich benutzt. Ich bin wütend. Bockig. Nicht mehr mit mir! „Also ok, ich leg mich jetzt hin, mach was du willst. Kannst ja auf der Couch schlafen“, ich. Schon frech, aber der nervt mich jetzt. Er ist so hin und her, legt sich dann aber neben mich. Ich merke, wie er mit sich ringt. Mir wird plötzlich klar: Den harmlosen, neckischen, lustigen, weinschwangeren Abend darf sie nicht erfahren. Da ist – wieder einmal – eine Frau im Hintergrund. Was lädst mich dann ein (ergänze: du Vollarsch!). Unter Garantie! Wette, sie wusste nichts von unserem Treffen, denk ich. Klar. Blöde Wette. Sonst wäre sie ja dabei gewesen.

Der Abend war schön. Zwischen uns ist mehr als nur ein belangloser Ratsch am Abend. Er will und er darf nicht und er will nicht, dass er will. Und nicht darf. Männer, denk ich, nicht mein Problem, und schlafe besoffen ein.


Wenn ich das so schreibe, dann: Was dir in Leben nicht widerfährt, das hakst anscheinend im Schlaf ab. Schmunzle.

Zurück in Luzi's Land.


Früh muss es dann schnell gehen. „Komm, du musst jetzt echt gehen. Komm, mach.“ Eigentlich hab ich kein Bock mehr, die ewig Unsichtbare zu sein. Ich hab auch kein Bock mehr auf Typen, die nicht wissen, was sie wirklich wollen. Ich meine sogar registriert zu haben, sie kam eben rein. Für einen kurzen Moment. Fühle mich jedenfalls schuldig. Klein. Vor ihm. Habe plötzlich Angst, er könnte sauer sein auf mich. Er könne nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Plötzlich bin ich die Böse. Er wollt das ja alles so nicht.


Was ein bescheuerter Gedankengang, aus der Wachperspektive. Zurück.

Gehe. Nachmittags ein Anruf. Soll sofort zu seiner Arbeit kommen.

Da ist wieder der Wisser, der Macher, der Checker. Groß. Jung. Erfolgreich. Steht einfach da und dirigiert die Leute, wie er sie braucht. Zu hundert Prozent von sich überzeugt. Ich habe wieder so ein undefinierbares Gefühl aus …. Angst ist das falsche Wort. Ich glaube, er … Nein, falsch! Eigentlich weiß ich, er wird JETZT mit mir nichts mehr zu tun haben wollen. Das, was in diesem Moment in mir auslöst, ist eine ganz tiefe Verletzung. Aber nicht ich, heute, werde verletzt. Es beginnt der ewige Kampf meiner Kindheit: Dass 'Mann' (respektive Vater) mich doch endlich dauerhaft bejahen muss. Nicht immer dieses Wegstoßen nach der Annährung. Immer dann, wenn du dich sicher fühlst.

Ich stehe gerade felsenfest mit beiden Füßen in den Schuhen meines Vorschul-Ichs. Das ist mir klar. In meinem ganzen „Uäääää“ bin ich doch zumindest noch eines zu merken in der Lage:

Es stehen eben keine hundert Prozent mehr vor mir. Da steht ein Häufchen, dass einer Frau hinterher hechelt, die er wohl wirklich liebt. Ich bin es jedenfalls nicht. Wieder einmal.

Er führt mich in einen Nebenraum. Klein. Abgedunkelt, warm. Darin in der Mitte eine, mit einem weißen Tuch überhangene Patientenliege. Darauf thront, umrahmt von drei sehr dicken, halbhohen Altarkerzen, in sanftem Cremeweiß, … seine junge, von den Haarspitzen bis zu den Fußnägeln in jeder Hinsicht glatte Freundin. Oh, Pardon! Verlobte. In tufftene Lacken gehüllt. Die sitzende Unschuld in Person. Frau Güte.

Sie stellt ein Knie an. Der Tuft rutscht über ihren Schenkel und spielt in ihrem Schritt 'laszive Unschuld'. *Mein Gott ja, wenn’s dich anmacht das designte Püppchen. Mich würd's langweilen.*

Ihr mir zugewandter Arm liegt wie zur Infusion hin drapiert auf dem lächerlichen Kanapee. Ungläubig stehe ich da. In welche Posse bin ich denn hier geraten?! *Findest du dich nicht ein wenig albern, Kind?* denk ich. Finde gar keine Worte für diese Inszenierung.

Mir ist sofort klar, was hier von mir verlangt wird. *Dein Ernst, Typ? Das soll deine Zukunft sein? Mit wem habe ich mich dann gestern unterhalten? Männer, wenn sie ein aalglattes Mäuschen sehen!* Ernsthaft, ich muss lachen.

Hinter mir zittert ein bestimmt einsneunzig Hyne von einem Mann vor dieser Posse. „Was wird das hier, Inquisition?“ rutscht es mir raus.

Aber die beiden sind so in ihrem abgefahrenen Film, bekommen überhaupt nichts mit. Also lenke ich ein. Ich will raus aus diesem Alp-Traum. Mir ist ja ohnehin klar, was jetzt mein Text ist. „Was willst du wissen“, frage ich sie. Nicht nötig eine Antwort abzuwarten. Das Drehbuch gab es schon tausendmal. „Nein, es war nichts. Nein, er wollte das nicht. Er hat sich mit Händen und Füßen gewehrt. Ich hab es forciert. Wenn dann bin ich schuld.“ Und, nicht zu vergessen: „Nein, er liebt nur dich.“ *Noch was? Fertig jetzt?* denk ich bei mir. „Dann“, spricht die Königin, „bleibt unsere Verlobung bestehen.“ „Na dann, Prost“, ich.

Hinter mir bricht ein Hühne heulend, tränenüberströmt zusammen und leckt dem Weib die Füße ab. *Mach, wenn du willst. Ein Tost auf deine künftige Hölle*, denke ich. Gehe.


Teil eins, Essenserkenntnisse Sonntagabend. Ich genieße so eben Bio-Hühnchen, Schenkel, gebacken mit Kurkuma, Süßkartoffel und jeder Menge Knofel. Ruhiger Genuss führt zu bahnbrechenden Erkenntnissen. Meine Gesundheitspolizei scheint einmal im Jahr der Meinung, sie habe ein Recht auf Urlaub. Wahlweise nimmt sie sich dann alle zwei Jahre im September das Recht. Kann man sich drauf einrichten. Aber will ich das?

Diesmal wurde die Abteilung Immunsystem in Urlaub geschickt. Zu mir nur so, völlig überraschend: *Du, das machst jetzt mal selber!* Wie lang ich das jetzt selbst machen soll haben wir nicht ausgehandelt. Zeit X. Einfach mal so. Mit Algebra hatte ich‘s noch nie. Machen wir es wie früher. Sich blöd stellen und warten, bis einem von anderer Seite das Ergebnis präsentiert wird. Ja nu, was soll ich machen?! Jeder hat so seine Stärken. Mit Faktor X und Y rechen ist nicht meine.


Teil zwei, Ich fange wieder an zu kochen Sonntagabend hab ich meinem Körper ein Foto geschossen von dem weißen runden Teller auf dem nichts mehr lag als ein Hühnerbeinknochen. Fein abgefieselt. Lang, ein anatomisches Meisterstück, lag er da, auf dem strahlend sauberen, weißen Grund des schlichten Suppentellers. Nichts unter ihm als sein eigener Schatten.

Dann hab ich ihm das Foto geschickt. Auf Whatsapp Status: „Lieber Körper. Ich habe nach zwanzig Jahren wieder angefangen, dir Gutes zu tun und wirklich ehrlich echt gekocht. Nach Rezept. Mit wertvollen Biobeinen. Jetzt bist du dran, Körper, etwas für mich zu tun.“

Er schaut da schon öfter mal, glaub ich.


Tag 17, Tag zehn zuhause, Montag

Montags-Hunde-Uni, Wiedereinstieg in Achtsamkeit


Ganz langsam hochfahren Oh was hab ich mich gefreut, die Hunde wieder zu sehen. Ich sitz neben der Absperrung. Schau den Hunden zu. Filme sie beim Spiel. Ergötze mich daran, wie toll sie miteinander umgehen. Plötzlich pickt neben mir jemand an einer Tupperschüssel. Mein Hirn meldet: *Orte Geräusch! Geräusch an falscher Stelle!* Meine Augen scannen die Ausflugsluke am Käfig. Die Klappe unten. Auge meldet an Hirn: *Keine Panik, Vögel eingesperrt. Alles dicht!* Mein Hirn: *Verarsch mich nicht Idiot! Ich weiß was ich höre und dieses Picken ist an deiner rechten Arschbacke außerhalb des Käfigs!* Der Zuständige für den SOLL HABEN Abgleich: *KANN NICHT SEIN. Alles zu.* Mein Hirn: *Vielleicht machst jetzt erst mal die Balkontür zu du bockiger Brillenträger!!!!! Bevor wir hier noch eine panische G. haben!? MACH! JETZT! Die Aussage 'Kann nicht sein‘ solltest du in den letzten drei Wochen doch ausreichend überarbeitet haben.* Der Cheflotse im Kontrollpunkt Muskelkontrolle übergeht die Eskalationsleiter und sämtliche Meldepflichten. Steuert meine ungläubigen Augen samt Kopf blitzschnell dorthin, wo mein Ohr das Picken und das Trippeln von Vogelfüßen vernimmt. Ich: „FUCK!“ Der Vogel ist draußen! Cheflotse und Hirn: *Handy auf den Schoß fallen lassen, linke Hand in Minus Nullkommanix zur Balkontür steuern! Zuhauen, egal wer dazwischen ist!* Die Balkontür fliegt ins Schloss. Ich springe vom Regal und fahre die Hunde an.

Wo der Vogel gerade ist? Wurscht. Hauptsache keiner von den Hunden hat auch nur noch ein NÜ Kapazität irgendeine Bewegung außerhalb meines zur Hochform aufgelaufenen Körpers wahrzunehmen. „Hoch! Los! Alle! Zack! Ab! JETZT!“ Die Hunde brechen das Spiel ab. Ich muss heftig gewesen sein.

Nur eine zieht nicht mit und steht wie ein bockiger Ottifant mitten im Raum. War klar. Carlotta. „Carl Otta!!! Du auch! Los! Hoch!... HOCH!!!!!! Ich schiebe die Masse wie ein Bordercollie vor mir her in die winzige Küche. Kindergitter zu, verriegeln. Fliegengittertür davor schieben. Vogel und Hunde erst einmal erfolgreich getrennt. Uff.

Mich sehen fünf völlig konsternierte Augenpaare an. Könnten ihnen die Kinnladen runter fallen, so würde es auf den Fliesen jetzt ordentlich krachen. Gerade noch im Spiel mit einer filmenden Sanftmut auf dem Regal und plötzlich eine alles vernichtende Feuerwalze. Die Armen. Aber, ich kann keine fünf jungen Hunde brauchen, die mir einen kaputten, neun Gramm schweren Vogel in der Wohnung jagen. Der hätte ja nicht den Hauch einer Chance.

Nein, ich möchte in meiner Wohnung weder Stier- noch Gladiatoren- noch Hahnenkämpfe. Meisenkämpfe schon gar nicht. Denn eigentlich bin ich Pazifist. Grins. Ich bin diesbezüglich wirklich Pazifist. Hunde werden – eigentlich – fair behandelt. Ich kack kein Lebewesen an, nur weil ich mich ihm nicht verständlich machen kann. Meistens.


Achtsamkeitsübung, Achtsam und wertfrei Entscheidungen treffen Wenn du aber, um die Situation wieder herzustellen, die für dich unabdinglich lebenswichtig ist, zu anderen Mitteln greifen müsstest, weil das Leben einer deiner Liebsten bedroht ist, dann hast

du nur zwei Möglichkeiten. Entweder lehnst du dich pazifistisch zurück und lässt den Dingen ihren Lauf. Das hieße in dem Fall, dass das Liebste was du hast, sein Leben auf grausame Art und Weise lassen muss. Von dir schutzlos ausgeliefert. Zumindest wärst du so nicht hart und ungerecht geworden gegen die, die nur ihrem Wesen entsprachen, als sie neun Gramm mordeten. Oder du wirst partiell ungerecht und ein Bist denen gegenüber, die nicht wissen, dass du nur das gute Verhältnis zu ihnen und das Leben deines winzigen Liebsten retten möchtest.

In beiden Fällen wird sich das Verhältnis zu den dich aktuell umgebenden Wesen verändern. Entweder wirst du dein Liebstes noch lieber haben und ein gestörtes Verhältnis zu den fünf Augenpaaren wieder ins Lot bringen müssen, oder, … das hatten wir ja schon.


So etwas passiert natürlich fünfzehn Minuten, bevor du los fahren musst, weil du zum einen die Hunde lüften und zum anderen zwei neue Kunden betreuen musst, die an deiner Wiese warten.

Verstehe, denk ich mir, danke. Wiedereingliederungs-Stresstest eins werden wir souverän meistern. Ich also die Kunden angerufen: „Sorry, mir ist grad mein Vogel ausgekommen und vergnügt sich hier fröhlich in der Wohnung. Bevor ich den nicht eingefangen hab, kann ich nicht weg.“ Sie mögen aus der Aussage machen, was ihnen beliebt.


Achtsamkeitsübung, Bleibe im Hier und Jetzt Wenn du allerdings darauf wartest, dass ein, seinen Freigang genießender, neugieriger, junger Vogel wieder sein Heim bezieht, dann wartest du darauf, dass der Vogel wieder sein Heim bezieht. Glaubt mir. Denn weder lockende Versuche, noch panische Stressausbrüche ob der tickenden Zeit im Hintergrund, noch Pläne, wie du die Hunde ins Auto bekommen könntest werden an deiner aktuellen Situation etwas verändern. Auch die, dann im Auto grillenden Hunde würden zu keiner Entspannung oder positiven Veränderung deiner aktuellen Lage beitragen. Schon gar nicht, derweil du in deiner Wohnung auf die Rückkehr des Expedisten in sein Gegitter wartest. Also konzentriere dich darauf, geduldig zu warten. Bis der Hunger oder Durst des Flugsautiers so groß wird, dass es an Mamas gedeckten Tisch zurück kehren mag.


Spinner war gnädig und hatte gefühlte zwei Sekunden vor der endgültigen Sprengung meines Zeitplans ein Einsehen.



Achtsamkeitsübung, Gelassenheit Oh, was hat es mich gestresst, meinen Dicken, mein Auto noch einmal anzuwerfen. Mir war klar, dass dieses, alle Mechanikerschürfrechte der Welt vereinende Dauermichstresserl gerade wieder an einigen Teilen seines Korpus erkrankt war. Zudem stand es jetzt ganze drei oder sogar vier Wochen und pfützelte vor sich hin. Aber mir blieb nichts. Mit keiner Kraft und dem Gong im Kopf: 'Überanstreng dich körperlich nicht' , war es das einfachste, die Bande zu verstauen, auf meine Trainingswiese zu fahren und sie dort in für mich handlebaren Dosen ihre Notdurft verrichten zu lassen.


Und wenn du dein Auto fährt, dann fährt es. Und wenn es stehen bleibt, dann bleibst du stehen.



Achtsam Kunden morden, Kapitel 1von 3 Spätestens dafür müsstet ihr jetzt das Buch „Achtsam morden“ kennen. Ich war zwei Wochen lahmgelegt. Aus dem Verkehr gezogen. Das Hörbuch war mein auf die Ohren zu der Zeit, wo der Sehnerv noch eigene Wege ging. Sehr lustig, sehr lehrreich. Unbemerkt infiltrativ. Genial.


Aber, was ist gerade passiert? Der liebe, zukünftige Kunde war zu fleißig, um meine Anweisungen abzuwarten. Das ist passiert.


Hat auf meine Bitte hin, die halb geöffnete Tür meines Transporters zu öffnen angerissen wie Gozilla. Ohne sich um den Mechanismus zu scheren. Dabei ist irgendwas ausnehmend geräuschvoll den Bach runter geflossen. Jetzt sind meine ersten Rückkehrer in die Montagsuni, die mir beim, ich betone, langsam hochfahren helfen sollten, eingesperrt. In den Boxen. Die Tür hängt auf einem handbreiten Spalt und weigert sich in jede Richtung. Zum Glück habe ich noch einen Schattenplatz ergattert. Heute ist es doch gut sonnig und warm. Frage ist nur, wie lang der Schatten mit uns kooperiert.

Es ist dreiviertel eins. Um eins kommen noch zwei oder drei Hunde. Nun wird’s logistisch. Den Mechaniker anrufen, der eh kommen wollte, das Auto zur Schlachtbank führen? „Hey, bist du schon unterwegs? Was denkst du wann du kommst? Weil ich hab hier eingesperrte Hunde. Bekomm die Tür nimmer auf. Kannst du irgendwas mitbringen an Werkzeug. Sonst wird’s sportlich.“ Leider erwische ich nur die Mailbox.


Ich räume jetzt erst einmal alle mobilen Fellnasen nach oben. Die sind eh platt nach dem Vormittag. Dann ist das schon mal erledigt.


Bin wieder unten. Am Auto.



Weiter denken. Richtig, den Kunden, die noch ihre Hunde bringen Bescheid geben. Am schnellsten? Whatsapp.


Whatsapp an meine Kunden [12:19] Lasst euch bitte Zeit mit Bringen. Die Schiebetür am Auto ist verkeilt. Warte auf Mechaniker, der mir hoffentlich die Tür auf bringt. Kann nicht vom Auto weg, weil noch zwei Hunde noch drin sind. Keine Sorge. Die Hunde sind gechillt. Nicht gegrillt ;-). Die Vormittagler ebenfalls. Sind schon oben und schlafen den Schlaf der Gerechten. Die brauchen heut eh nix mehr. Ich übe derweil achtsames Kundenmorden. [12:20] Sorry. Das war nicht auf euch bezogen. Ein lieber Kunde war zu fleißig meine Anweisung abzuwarten und hat die halbgeöffnete Tür aufgerissen. Da is was geräuschvoll den Bach runter geflossen. Tschakaaaaa! Kategorie Shit happens.

Ich könnte mich jetzt verrückt machen und mir x blöde und teure Szenarien ausmalen. Was, wenn er die Tür nicht aufbringt? Nimmt er die Hunde dann mit? Wenn das Auto dann Schrott ist? Ich sehe schon den Presswürfel aus Blech. Ihr versteht?

Aber, der potentielle Retter der Hunde, ein fähiger Mann, der heute mein Sorgen-Auto zur möglicherweise letzten Not-OP abholen wird, ist ja unterwegs. Möglicherweise wird er die Hunde befreien können. So mechanisch pfiffige Männer haben ja noch andere Möglichkeiten als ich, die letztlich nur vor dem breiten Spalt der vergeilten Schiebetür stehen kann und diverse „Sesam öffne dich“ durch murmeln.


*Wenn nicht?* Meine Panikfraktion wieder während ich da sitze und auf dem Handy rumtippe. *Dann denken wir über verschiedene Lösungen nach. Jetzt bleiben wir hier im Moment und warten achtsam. Ohne unnötige Dramen*, gebe ich zurück.

In meinem Kopf, entsteht das Mantra: 'Wenn Sie mit im Auto eingesperrten Hunden warten, die bald gebraten werden, dann warten Sie und braten mit. Denn auch wenn Sie nicht warten würden, würde sich nichts an Ihrer aktuellen Situation ändern. Weder daran, dass es für Sie alle bald keinen Schatten mehr geben wird, noch daran, dass die Türe sich nicht bewegen lässt. Also konzentrieren Sie sich darauf, zu warten. ... Und zu braten.'


... Zeit zieht mal wieder ins Land. ...


Meine Kunden wollen sicher wissen, wie das hier läuft mit mir auf der Ladefläche und den Hunden.

Whatsapp an meine Kunden [12:35]: Hörbuch. Achtsam morden. Sehr lustig. Sehr einprägsam. "Wenn sie mit im Auto eingesperrten Hunden warten, dann warten Sie. Denn auch wenn sie nicht warten würden, würde sich nichts an Ihrer aktuellen Situation ändern. Also konzentrieren Sie sich darauf, zu warten.“ Das mit dem Braten und dem Schatten habe ich vorsorglich mal raus gelassen aus dem Mantra. Ich weiß ja nicht, wie viele von meinen Kunden schon von Achtsamkeit und im Moment bleiben gehört haben. Ich glaube, nicht viele.


Achtsam Kunden morden, Kapitel 2von 3 Ich könnte jetzt wütend sein, wie man so an einer Tür anreißen kann, aber…. er hat es ja nur gut gemeint. Und er hat angerissen. Dabei ist die Tür mindesten in Phase eins ihrer Zerstörung eingetreten. Das gehört jetzt alles zu den Fakten meiner aktuellen Gegenwart.

Ich könnte jetzt auch wahnsinnig werden über der Frage, wie man als einzelner Mann so eine Kraft entwickeln kann, aber… es würde ja nichts ändern. Denn das Ergebnis der Kraft bleibt dasselbe.

Ich könnte jetzt außerdem darüber nachdenken, was das jetzt wieder kostet, aber, ... auch das wird nichts daran ändern. Weder daran, dass ich jetzt im Moment nicht weiß, was es kosten wird, noch an den bereits latent vorhandenen Kosten.

Es macht also keinen Sinn, sich JETZT darüber Gedanken zu machen, während sich mein Körper eigentlich die verdiente Pause zur Rekonvaleszenz gönnen möchte. Ganz ohne Stress. Die er durch dumpfes Drücken und kleine Zündeleinen in meiner Nasenfalte hinüber bis auf die Nasenseite penetrant einfordert.

Ich atme durch und erkläre dem panischen Kind in mir, dass ich es vernommen habe. Dass auch nichts tun ein Form von Führung sein kann. Dann lasse ich es noch ein wenig über die Ladefläche meines Transporters tigern und bitte es mit einem in mir auftauchenden Mantra, es solle sich doch langsam neben mich zu setzen und lieber zu überlegen, was jetzt effektiv zu einer Verbesserung der Situation führen könnte.


Whatsapp einer Kundin poppt auf [13:09]: Du Arme!!! [13:10]: Ich Wette, dass unsere noch im Bus war! So was passiert bei uns immer! Mein Kind ist schon bei -5 Grad 1h im Lift hängen geblieben. [13:10]: Also es hätte schlimmer kommen können

Whatsapp Antwort ich [13:17]: Nö. Waren andere. Die ganze Tür is halt verbogen Whatsapp Antwort Kundin [13:18]: Häh wie geht dass denn? (Aufgerissenes Auge) hoffe die Person ist gut versichert. Aber die Zeit und den Ärger zahlt dir keiner! Mist!

Whatsapp Antwort ich [13:22]: Ich hoffe, dass die Person das zahlt. Ärgern kann ich mich später. Wenn ich noch nicht weiß, ob ich mich ärgern muss, macht ärgern auch keinem Sinn. Also warte ich jetzt die Antwort der Werkstatt ab. Dann setze ich mich mit dem Verursacher in Verbindung. Wenn der Retter seine Tat erfolgreich vollbracht hat, mache ich mir erstmal einen Espresso und lass meine Backe zur Ruhe kommen. Mantra: 'Und wenn du einen Espresso machst, dann machst du einen Espresso. Und wenn du dich hinsetzt, dann setzt du dich hin. Und wenn du den Espresso trinkst, dann trinkst du ihn. Dann ärgerst du dich nicht über Dinge, von denen du noch gar nicht weißt, ob sie in der Zukunft eintreten werden.' ...Achtsam morden eben (Kneifauge)

Whatsapp Antwort Kundin [13:28]: Du hast recht! Bis später Das ist lieb gemeint, denke ich bei mir, aber genau die Energien sind die falschen gerade. Kundin ist beruhigt, aber meine Geister räkeln sich wieder.

Das Panikkind in mir, das meine Mutter – meine ich – schon zu Lebzeiten mit Nutz und Niesbrauch an mich überschrieben hat, setzt sich. Ich streiche ihm über den Rücken. Es muss nicht alles verstehen. Nur runter kommen. Ich dagegen lausche aufmerksam dem kleinen Mantra in mir. „Und wenn Sie sich setzen und fünf Minuten nichts tun wollen, dann setzen Sie sich und tun fünf Minuten nichts! Schon gar nicht über Dinge nachdenken, die Sie ohnehin nicht mehr ändern können oder solche, die noch gar nicht geschehen sind.“

Achtsam morden eben.

Achtsam Kunden morden, Kapitel 3 von 3 Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, muss jedes deiner Probleme ein Nagel sein. Wer meine Website kennt, kennt auch diese wortgewandte Weisheit. Die sich, unglaublich, aber wahr, auch nach mehrmaligem Lesen und Durchdenken nicht allen Menschen erschließt. Darüber staune ich immer wieder.

Ich schweife ab. Wollte euch einfach berichten, was hier passiert.

Soeben wird mir einer meiner Überzeugung torpediert. Der Retter der Hunde – und ab Tag heute, potentieller, bestimmt äußerst achtsamer Mörder meines Autos – hämmert gerade auf meinem Auto herum. Um das doppelschichtige Blech des Holms, dem wir gerade die Tür gewaltsam entreißen mussten wieder einigermaßen in seine Ursprungsform zurück zu bringen. Von wegen Hammer taugen nur für Nagelprobleme.

Es ist nicht immer einfach seine Überzeugungen aufzugeben. Schon wieder ein Mantra: 'Wenn sich eine deiner Überzeugungen in einem Punkt auf den Kopf stellt, dann stellt sie sich in diesem einen Punkt auf den Kopf. Es wird nichts bringen, wenn du dich ebenfalls auf den Kopf stellst. Zum einen stehen dann all deine anderen Ansichten Kopf. Zum anderen wird dieser Blickwinkel zu Kopfschmerzen und schlussendlich zu deinem sicheren Tode führen. Womit sich dann diese eine, deine Überzeugung – schon rein physisch – weiterhin zumindest in Schieflage befände. Und alle anderen gleich mit. Im Ergebnis hättest du also mit all diesen Maßnahmen nichts zur Verbesserung der aktuellen Situation beigetragen. Also übe dich darin, achtsam und wertfrei diese deine umgeworfene Überzeugung zu betrachten.'


Ohm…., denk ich, soviel zum langsam hoch fahren.

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