020_2020. Das neue Normal. Weitere Tage
- GM

- 20. Okt. 2020
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. März 2022
Dienstag, Arbeitswoche zwei, 20. Oktober
Voll der Stress im Kuhstall Chef hat einem seiner ältesten Mitarbeiter gekündigt. Einem, der gern schießt und den Mund auf macht. Ich wollte eigentlich freiwillig arbeiten fahren, weil echt Land unter ist, aber mich zieht es nach Breitbrunn an den See. Berge sehen, runter fahren, mir etwas gönnen. Das Wetter ist zu schön, sich diesen emotionalen, psychischen Stress anzutun.
So lande ich am See. Sitze auf dem Steg mit der Aufschrift: Betreten verboten! Privatgrund! Ich habe privaten Grund, bin betreten und möchte nicht, dass mir jeder daher gelaufene Sonstwer in meine Sphäre übergreift. Stören verboten.
Ich fahre runter.
Höre dem leisen Schmatzen der sanften Brandung zu, schwanke mit den Algen auf den Sternen und lasse mich vom Lichtspiel der Sonne mitnehmen in die Berge. Neben mir knarren die alten Holzbohlen und reiben sich aneinander. Nicht alles ändert sich. Man muss es sich nur erlauben, sich aus dem Rennen zu nehmen.
Ich atme.
Die reine, kühle Luft des Sees.
Die dicken Holzbohlen knarren und ächzen in der Brandung.
*Da, wo 'zu dicht ist' entsteht Reibung. Hier wie dort. Drüben. In dem, was Menschen Realität nennen.* Das Holz berichtet. Knarrt und ächzt. Ist es etwa doch das Türchen, das wacker das Verbot im Winde winkt? Privatsteg. Betreten verboten. Eigentlich blöd für die Privaten, denen es verboten ist, den Steg zu betreten, verdrehtes Hirn, mein Hirn. Zumindest, wenn sie sich an ihr eigenes Gebot halten.
Ich fühle.
Der Wind zieht sacht, kühl an meinen Ohren vorbei und fängt sich, verraschelnd im Laub.
Ich höre.
Die Vögel zwitschern als könnten sie sich heute das letzte Mal für dieses Jahr unterhalten.
Ein Propellerflugzeug dreht seine Sightseeingrunde über das Fünfseenland Richtung Berge.
Ich sehe.
„Nimm mich mit!“ blicke ich ihm nach.
Ich denke.
Im Moment.
Weit draußen auf dem See, eine Ente. Ein Wasservogel. Wasser-Vogel. Gibt es denn auch Luftvögel?
Ein Knall in der Ferne. Enten schnattern hin und her. '"Guguguckguk!!!!!!!!" aufgeregte Vögel. "Ä ä ä"¸ die blecherne Antwort.
Neben mir, im goldgelben Laub des Baumes mischt sich ein Vogel in die Unterhaltung der Tiere ein und schreit. Dann singt er auf das Wasser hinaus. Scheint, als lauschten die Vögel dort draußen, was das Landei ihnen zu sagen hat. Denn sie verstummen.
Ich schließe die Augen.
Luft auf meiner Wange. Die Lichter des Sees im Taumel mit den Strahlen der Sonne, sie blitzen durch meine Lider.
Alles ist ruhig. Der See schweigt, die Vögel schweigen. Der Wind schweigt.
Dann beginnt die Brandung wieder leise an zu gluckern.
Die Vögel singen dem aufkommenden Wind entgegen.
Das Holz neben mir gibt den Bass. Knarrt alt, verwittert.
Der Wind kehrt zurück auf meine Haut.
Streicht darüber, wie die sanfte Hand eines Liebenden.
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